in 2020, Bücher

Kapielski – Danach war schon

Im Anschluss an die Goldt-Lektüre wurde mir Thomas Kapielski empfohlen, von dem ich bis dato noch nie gehört habe. Mit Gottesbeweisen hat das zum Glück nur in humoristischer Weise zu tun.

Kapielski schreibt weniger abgeklärt als Goldt, sondern mehr aus eigenem Erleben. Weite Strecken des Buches handeln von seinen früheren Reisen in die DDR, nach Polen und Moskau – weit überwiegend vor der Wende. Stets geht es auch ums Biertrinken, wenn möglich in West-Berliner Kneipen. Eine gewisse Lustigkeit ist nicht von der Hand zu weisen.

Am lustigsten fand ich seine Schilderungen von der „taz“ in den achtziger Jahren und vor allem dem dortigen Kaffeegenuß. Allerdings:

Seine Tätigkeit als Kolumnist für die taz endete 1988 mit einem Eklat, nachdem Kapielski in einem Artikel die Edeldisco Dschungel als „gaskammervoll“ bezeichnet hatte.

Über genau diesen Eklat lässt er sich dann auch über mehrere Seiten im Stile eines missverstandenen Künstlers aus, das ist ein wenig peinlich. Gut, dass sich das Ganze vor Twitter und Facebook abgespielt hat und es so niemand liest.

200803 – was ist das Gegenteil vom Aufspannen eines Schirms?

Aufgrund von Verstrickungen, die dereinst als der Elektrikerstreit von 2020 in die Geschichte eingehen werden, habe ich heute unseren Sicherungskasten fotografiert. Bestimmt kann ich mir ab jetzt merken, welcher von den dreien unserer ist. Ganz bestimmt.

Serien gucken lohnt sich einfach nicht mehr. Das X-te Superheldenvehikel Umbrella Academy nervt mit zahllosen möglichst unpassend eingesetzten Popsongs und dem immer wiederkehrenden Plot-Device, dass die Leute sich ständig streiten und nie am selben Ort sind, wenn sie es sollten. Anfangs interessant, schnell unterträglich.

200801

Vor dem Eintreffen der Gewitter noch gepflegt den Balkon bevölkern.

Gestern: Alien Covenant geschaut und auch sonst der Hitze getrotzt.


Gerade wurde ich beim Hören des exzellenten Albums Jisei von Vittorio Guindani gewahr, warum ich diese Spielart des Ambient so schätze. Weil ich mit den Tönen und Geräuschen keinerlei Bild assoziieren kann und folglich auch nicht muss. Kein Instrument, keine Menschen, kein Orchester, keine Posen wie bei der Rockmusik, kein Publikum und keinen Tanz wie bei elektronischer Musik, aber auch keine natürlichen Geräuschquellen wie bei Found Sounds oder Naturaufnahmen. Der Klang steht vollkommen meditativ und assoziationsfrei für sich.

Deshalb kann ich mit den instrumentalen Spielarten der Ambientmusik, wo sachte auf Klavieren geklimpert oder mit akustischen Gitarren geklampft wird, auch so absolut nichts anfangen. Gleiches gilt für „die sogenannte Neoklassik“ im Stil von Max Richter, der Ljubiša Tošić im Standard Tiefe und Komplexität abspricht. Das wiederum ist nicht meine Haltung. Ambient mag sich einfach produzieren lassen. Punk auch.

200729: #Yolaf statt #Nolaf

Ein schönes, obskures Beispiel für die kulturellen Vorzüge von Quelloffenheit und Austausch:

According to Malone, most of her peers don’t own microphones, monitors, or the instruments they record with; it’s all loaned out by EMS via a trust-based system. Additionally, much of the code that artists create with SuperCollider, a programming language and environment used by many drone musicians in Stockholm, is open source and available for all to use.

Aus einem Feature bei Bandcamp über die Drone-Musikszene in Stockholm

Das Innenleben der Sozialdemokratie könnte mir ja eigentlich egal sein, als ehemaliges, langjähriges Mitglied wird es das aber wohl nie. Daher fand ich das Twitter-Kampägnchen gegen Olaf Scholz als möglichen Kanzlerkandidaten heute milde interessant.

Olaf Scholz hätte seinen drei Vorgängerkandidaten Steinmeier, Steinbrück und Schulz einen wesentlichen Punkt voraus: Er hat bereits Wahlen gewonnen, und zwar nicht zu knapp.

Überdies wird der nächste SPD-Kandidat erstmals seit fünfzehn Jahren nicht gegen Angela Merkel antreten, die in der Mitte bis ins linke Lager hinein über die Jahre immer mehr an Popularität gewonnen hat. Scholz wäre ein ideales Angebot für alle Wähler*Innen, die sich 2021 Verlässlichkeit und Seriösität wünschen, denn die CDU wird so ein Angebot nach derzeitigem Stand nicht unterbreiten können – am wenigsten mit meinem (inzwischen unwahrscheinlichen) Wunschkandidaten Merz.

Sicher ist Scholz kein linker Kandidat. Aber die SPD hat noch nie Wahlen mit links gewinnen können. Das kann man bedauern, ist aber so. Mit Scholz würde sie zumindest zeigen, dass sie noch den Willen hat zu gewinnen, so unwahrscheinlich das gerade erscheinen mag.

200728: Wie ich einmal Derrick guckte

Ich habe eben die obige Folge Derrick geguckt und zwar weil beim Perlentaucher (und wegen genau solcher Kuriositäten lese ich den Perlentaucher und zahle auch dafür) diese Rezension empfohlen wurde. Bei Sätzen wie dem folgenden verstehe ich im Grunde kein Wort, aber das macht sie nur toller:

Die geheime, die verborgen gebliebene Schwarzmarkt- und später Wirtschaftswunder-Erotik à la Nitribitt hinter den Kulissen hat sich bei Brynych in den jungen deutschen Frauen der 70er noch erhalten wie ein genetisches Wissen.

Kurioserweise geht es im heutigen „Altpapier“ auch um Derrick – aber in einem anderen Zusammenhang. Einzige Schnittmenge: Derrick-Folgen werden durchaus „legal“ also von den Rechteinhabern auf Youtube gestellt. Dies wohl, um an den dortigen Werbeschaltungen teilzuhaben.


Den Wandel der Literaturkritik (nicht zum besseren) schildert Jan Kutter bei 54books. Ein Satz, der mich an meine hier geführte „kommentierte Leseliste“ erinnert:

Wer sich heute über ungelenke Amazon-Kritiken von Amateur*innen beömmelt, verkennt jedenfalls, dass hier nicht selten einfach nur die fade, flaue Häppchenkritik imitiert wird, die man heute von den mannigfach kaputtgesparten Regionalzeitungen und Magazinen vorgesetzt bekommt.

Wie anspruchsvoll eine gelungene Kritik ist, merke ich jedenfalls immer dann, wenn ich versuche, zu einem Buch etwas zu schreiben, das ich einfach nur zum Zeitvertreib gelesen habe, das nicht herausragend gut, aber auch nicht besonders schlecht ist.


Der Ambientblog hat einmal mehr einen vortrefflichen Mix produziert. Dieses Mal nicht alleine, sondern mit mir unbekannten Protagonisten von Low Light Mixes.

I’m even móre honoured that this mix is presented on three blogs at the same time: Low Light Mixes, Headphone Commute and Ambientblog. Both Headphone Commute and Low Light Mixes are ‘giants’ compared to my humble Ambientblog, so I’m really happy this mix may reach a new audience… and hope they enjoy the way it turned out.

They do, Peter, they do.

200727

Ich glaube, ich habe die Benamung dieser Blogposts durcheinander gebracht: JJMMTT muss es lauten.

Endlich mal wieder mit einem ausgeprägten Muskelkater aufgewacht – mein liebstes Körpergefühl. Kniebeugen helfen dabei enorm, besonders, wenn man sie zu selten macht.


Heute habe ich die (vorerst?) letzte Folge der Podcastreihe History Of Ideas gehört, die anders als die vorherigen Folgen aus einem Interview (Q&A) mit dem Host David Runciman, in dem dieser Hörerfragen beantwortet. Die Serie stellte beginnend mit Hobbes und endend mit Fukuyama einige der (und nicht immer die naheliegendsten) politischen Ideengeber vor und setzte sie zueinander in Beziehung. Hörempfehlung!


Pixelsynth ist ein interessantes Tool, welches Bilder in Töne umwandelt. Interessant jedenfalls, wenn man wie ich atonalem Georgel grundsätzlich etwas abgewinnen kann:

200726

Der gestrige Film war einer der besten der vergangenen Monate, wenn ich nach seiner Nachwirkung gehe. Bei Reddit schreiben sie ja immer Cinematography, wenn sie erklären wollen, wie gut ein Film aussieht. Paris, Texas sieht sehr gut aus; fast als hätte sich Wenders auf alles gestürzt, was in Amerika damals unwirklich aussah: Wüste, Städte, verschnörkelte Autobahnbrücken.

Die Schlussszene(n) müsste ich sicher nochmal gucken. Wann sieht man wen durch eine Scheibe, in einem Spiegel, oder verspiegelt im Antlitz des oder der anderen?

Interessant, aus dem Wikipediaeintrag:

Die Band Texas benannte sich nach dem Independentfilm, die Band Travis nach der Hauptfigur des Films.


Ines Schwerdtner schreibt im deutschsprachigen Jacobin über das Buch Ein Mann seiner Klasse von Christian Baron, das ich sehr eindrucksvoll fand.

Viel zu wenig wird der materielle Aufstieg von Kindern aus den unteren Klassen auch als ein Kampf um Selbstachtung gewertet. Einmal mit den oberen Klassen, den Ämtern, der eigenen Vergangenheit, den ungelernten Umgangsformen und Sprachen konfrontiert, zweifeln nicht wenige Aufgestiegene an ihrem Selbstwert.

200725 – BruMMMusik

Vor einem Jahr notierte ich mir den Namen der Komponistin Eliane Radigue, die auch ganz wunderbare Rausch- und Brummmusik machte – und zwar schon in den 1950er-Jahren. Gut wenn man sowas wiederfindet, ich kann mir ja kaum Namen merken.


Was hat es mit den jüngsten Nachrichten um die Corona-WarnApp auf sich? Jawl erklärts:

Dass es jetzt Fehler gibt, weil man sich auf eine dokumentierte Funktion des Betriebssystem verlassen hat. Holy forkin’ shirt, ja. Richtig forkin shirt.

25.7.2020 – die Corona-WarnApp funktioniert nicht. Wer ist Schuld?

In der ARD-Mediathek liegt zu meiner Überraschung eine recht umfassende Wim Wenders-Werkschau – merkt das eigentlich keiner oder wieso findet das in meinen Kanälen keine Erwähnung? Jedenfalls gucke ich gleich Paris Texas – jahrelang nicht mehr gesehen, aber als phänomenal gut in Erinnerung.

200724

Vor ein paar Wochen Monaten habe ich einmal mehr versucht, täglich zu schreiben und scheiterte natürlich einmal mehr. Aber dann fange ich einfach nochmal an … heute habe ich allerdings nur folgendes Vorkommnis:

Gerade hat sich hier eine Schnecke zum Mampfen eingefunden. Und auch wenn unser Balkon quasi ebenerdig ist, so ist das doch eine anerkennenswerte Leistung:

Von dem kleinen Blümchen ist bereits nicht mehr übrig.

Musik gekauft: Jisei von Vittorio Guindani

Ein nach dem ersten Hördurchgang ein sehr Zen-artiges Album, welches Kopfhörer oder zumindest Ruhe erfordert:

Vittoria Guindani is an Italian ‘non-musician’ “interested in silence, soundscape and small sounds, which he creates with objects, loops and anything endowed with its own dust.”

Der Ambientblog erläutert den Albumtitel: ‚A Jisei is a Japanese ‘death poem’, “sometimes referred to as the last words, the last images or the last sounds before the farewell”.

Zudem die erste Bandcamp-Publikation, die ich nicht nur Digital, sondern stofflich erworben habe. Das begleitende Büchlein/Booklet übt nämlich einen irrationalen Reiz auf mich aus.