Gerhard Hauptmann – Die Ratten

Als E-Book gelesen (mehr zum Anlass steht hier), daher kein Foto vom Titelbild. Ein Drama in fünf Akten, uraufgeführt 1911. Es spielt in einer Berliner Mietskaserne und es wird so dermaßen breit berlinert, wie man es selbt in Berlin Alexanderplatz nicht zu lesen bekommt. Jetzt würde ich es am liebsten sofort aufgeführt sehen, aber in Bochum läuft es nicht, und nach Wien fahre ich dafür nun nicht.

7.4.19: Zeche Hannover und Zettelkasten

Diese Fotos sind von der Zeche Hannover bzw. vom LWL Industriemuseum, welches sich dort befindet. Erneut dieses Ruhrpott-typische Nebeneinander von Industrie, Natur, Kulturlandschaft und Ortschaften. Schön.


Bei Heise unternehmen sie „erste Exkursionen“ in Luhmanns digitalisierten Zettelkasten – also den Teil, der bereits digitalisiert ist:

„Zwar ist erst ein Bruchteil der Zettel vollständig in das Portal eingepflegt, die Verfolgung der so entscheidenden Zettelverweise führt sehr bald in noch unerschlossenes Gebiet.“

Und wenn man da so einen digitalisierten Zettel zwischen all den Metadaten und Verweisangeboten sieht – das ist ganz ganz groß. Ein wunderbares Digitalisierungs-Projekt und ein Lichtblick neben all der ernüchternden Netzpolitik.

Christian Fuchs, Paul Middelhoff – Das Netzwerk der Neuen Rechten

Als E-Book gelesen (erstmals seit längerem mal wieder) und daher kein Titelfoto. Fuchs und Middelhoff fügen viele Bausteine, von denen man in den vergangenen Jahren schon mal gehört hat, und einige mehr zu einem Gesamtbild zusammen – ähnlich der von der Neuen Rechten verfolgten „Mosaikstrategie“.

Es scheint in diesen Kreisen zum guten Ton zu gehören, erstmal ein Heftchen zu verlegen, wenn man etwas werden will. Die Zahl der genannten Titel und Verlage mutete mir jedenfalls beinahe absurd an. Generell entsteht das Bild eines relativ kleinen Kreises von Aktivisten, die aber unheimlich viel produzieren, was die Bewegung eher einem Scheinriesen gleichen lässt.

Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern lautet der Untertitel des Bandes. Der Anspruch wird in jeder Hinsicht erfüllt, Leser.innen erhalten einen hervorragenden und kompakten Einblick in das titelgebende Netzwerk.

Die Frage der Finanziers der Neuen Rechten ist ja momentan sehr aktuell; Fuchs und Middelhoff stoßen bei ihren Recherchen auf einen schwerreichen Hamburger Reeder. Aktuell soll zudem ein Duisburger Milliardär verdeckte Geldflüsse veranlasst haben. Wer angesichts dessen noch Hoffnungen hegt, die AfD würde einen wie auch immer gearteten „Volkswillen“ vertreten, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen.

29.3.19: Dinge getan

Der Höllenstern, er brennt wieder.

Seit einer Woche sind wir nun schon so richtig in Bochum und haben das Undenkbare geschafft, nämlich diese deutlich kleinere Wohnung in kurzer Zeit wohnlich einzurichten.

Heute habe ich ein Fahrrad nach Bielefeld gebracht, einen Lyrikband aus der Stadtbücherei ausgeliehen und zum ersten Mal in diesem Jahr und überhaupt zum ersten Mal auf dem neuen Bochumer Balkon gesessen (Ausblick siehe oben).

Selten lese ich Rezensionen einer Inszenierung, die mir Lust auf das jeweilige Stück machen. Heute schon:

Andrea Breth verlässt das Burgtheater in Wien mit einer Inszenierung von Hauptmanns „Ratten“, die den Rezensenten den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Nachtkritikerin Gabi Hift kommt völlig zerschlagen aus der Vorstellung. Aber gesehen hat sie „einzigartige, nie dagewesene Kreaturen. Kein Klischee, nirgends. Auch keine Nachahmung echter Menschen. Was bei Andrea Breth passiert – und sie dürfte die Einzige sein, die diesen Prozess noch katalysieren kann – ist die Erschaffung von künstlichen Kreaturen aus Text und Geist und der Lebenssubstanz von Regisseurin und Schauspieler*innen.

Das Stück, Die Ratten, habe ich in der Stadtbücherei leider nicht gefunden.


Ich lese auch vom Programmprozess der Grünen und von der Losung Bündnispartei und mir fällt auf: Die einzigen Parteien, denen derzeit ein Wille zur Regierung unterstellt werden kann, sind die Union und die Grünen. Die FDP will nicht regieren, die SPD will nicht regieren, tut es aber trotzdem, bei der Linken wissen wir nicht, ob sie wollte wenn sie könnte, sie kann aber schon seit vielen Jahren nicht und die AfD würde sicher wollen, sie kann, darf und wird aber nicht.


Diese Love, Death + Robots-Sache bei Netflix ist sehr sehr gut. Wired dazu hier.

Herfried Münkler – Macchiavelli

Lesenswert vor allem für die umfangreiche historische und philosophische Einbettung. Wie dachten die Menschen in der Renaissance von der Zukunft? Hingen sie dem zyklischen Denken der Antike an, oder der mittelalterlichen Vorstellung vom Niedergang hin zum jüngsten Gericht? Wie und warum setzte langsam aber sicher ein Fortschrittsdenken ein? Welche Bedingungen ermöglichten das Denken von Politik und Staat außerhalb von Ethik und Religion wie Macchiavelli es praktizierte? Und was war da eigentlich los in Italien? Spannende Fragen, die Münkler mit diesem bereits 1982 erschienenen Band umfassend zu klären versucht.

Peter Watts – Blindsight

Wenn ein Science Fiction-Roman einen Anhang samt Fußnoten hat, wo die Konzepte und Ideen wissenschaftlich erklärt werden, dann befindet man sich im allzu oft freudlosen Subgenre der Hard Science Fiction, in dem der Science-Anteil besonders groß und ausgetüftelt ist und die Fiction sich ihm unterzuordnen hat.

Peter Watts gelingt mit Blindsight ein immens spannender Beitrag zu diesem Genre. Eine First Contact-Variation, in welcher das Alien nicht nur fremdartig aussieht, sondern sich auch so verhält. Während zum Beispiel das titelgebende Film-Alien unzweifelhaft feindselig ist, ist das in Blindsight lange Zeit überhaupt nicht klar. Garniert wird die Geschichte mit einer gehörigen Portion Transhumanismus und Meditationen über Bewusstsein, Intelligenz und Evolution. High Concept, nicht leicht zu lesen, aber sehr gut.

Leitbild Mobilität der Stadt Bochum

Interessant, auch weil ich heute erstmals mit dem Fahrrad in Bochum gefahren bin (eigentlich ganz ok, zumindest für die paar Meter): Es gibt ein Leitbild Mobilität der Stadt Bochum (PDF). Darin heißt es:

Zurzeit liegt der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) in Bochum bei 56%. [..] Bis 2030 könnte der Anteil des MIV auf 40 bis 45 % sinken. [..] Ein Anteil von 40 bis 45% des MIV an allen Wegen ist zwar höher als der Modal Split, den andere deutsche Großstädte bereits heute haben. Er ist allerdings an dem höheren Ausgangsniveau in Bochum zu messen.

56 Prozent motorisierter Individualverkehr erschien mir absurd wenig, ist gemäß des letzten zitierten Satzes aber wohl viel. Eine Reduktion auf 40 bis 45 Prozent erscheint mir wiederum etwas unambitioniert, aber wahrscheinlich realistisch.

Die Bochumer Grünen kündigen ihre Zustimmung an: „Das Leitbild Mobilität geht klar in die richtige Richtung. Es zielt auf die Stärkung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr ab. Von uns aus steht einem positiven Votum in den Ausschüssen und im Rat nichts mehr im Weg“, erklärt Sebastian Pewny, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion.

Bemerkenswert auch: „Die Stadt Bochum ist seit 2016 Mitglied der AGFS (Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte).