Nach Hattingen

Mal nach Hattingen zu laufen, das hatten wir uns für dieses Jahr vorgenommen, nachdem wir dort im November ein Wochenende verbracht hatten.

Die Strecke ist mit 12km überschaubar und führt großteils schön durch das weitmarer Holz. An der Ruhr entlang musste man sich dann sehr wenig Weg mit sehr vielen Radfahrern teilen.

Mad Men | Devs | The Leftovers

Kürzlich habe ich ein paar Serien zuende geguckt:

Mad Men habe ich schon vor Jahren begonnen zu schauen und nach zwei Staffeln aufgegeben. Jüngst las ich aber allerorten, dass Netflix Mad Men im Programm hat, die Serie Mitte Mai aber aus selbigem schmeißen würde. Also unterwarf ich mich einem Marathon von mindestens drei Folgen pro Tag, um durch die verbliebenen fünf Staffen zu rasen. Hätte ja sein können, dass die Serie ab Staffel drei plötzlich so gut würde, wie alle sagen. Wurde sie aber nicht. Auch nicht in Staffel sieben.

Devs ist eine achtteilige Serie von Alex Garland, der mit Ex Machina und Annihilation bereits auf sich aufmerksam gemacht hat, und sie ist nahezu perfekt. Wie eine richtig gute Scifi-Kurzgeschichte, beispielsweise von Ted Chiang, oder wie eine sehr sehr gute Star Trek-Episode: Visionär, höchst menschlich, wohlklingend, äußerst gutaussehend, bahnbrechend und meiner Meinung nach abgeschlossen – von einer Fortsetzung ist also nicht auszugehen. Für den Trailer klickt man hier, die Besprechung von Future Ltd. ist auch zu empfehlen.

The Leftovers zeichnet sich mit drei Staffeln zu je zehn Folgen auch durch eine wohltuend geringe Länge aus, hat den wahrscheinlich umwerfendsten Schluss der Seriengeschichte und zeichnet so gut wie kaum ein mir bekannter fiktionaler Stoff das Bild einer ganzen Gesellschaft. Man muss sich darauf einlassen, mit jeder Menge religiöser Motive, aber auch so mancher komplett irrer Wendung konfrontiert zu werden. Die erste Staffel weiß noch nicht so richtig, wohin mit sich, aber dann wird es außerordentlich gut.

200514

Erst heute habe ich gemerkt, dass Evernote auch Notizen per E-Mail verschicken kann. Keine besonders anspruchsvolle Funktion, aber hilfreich, um zum Beispiel Blogposts zu formulieren. Die kann ich dann nämlich wiederum in WordPress reinmailen und das macht mehr Spaß als mit dem WordPress-Editor zu schreiben.

Spannende Fragen:

  • Wird der Notiztitel zum E-Mail-Betreff und dann zum Post-Titel?
  • Wird der Evernote-Werbefooter mit übernommen?
  • Wie würde ich vorgehen, wenn ich Bilder mitliefern will?
  • Wird diese Liste richtig formatiert? Und dieser gefettete sowie dieser kursive Text?
  • Funktioniert die Verlinkung dort oben?

Ich bin sehr aufgeregt.

Max Goldt – Ä

Vor rund einem Monat schrieb Paul Jandl in der NZZ, man müsste wieder mehr Max Goldt lesen. Ein ausgezeichneter Vorsatz, Quarantäne hin oder her.

Ich glaube, ich habe gut und gern zehn Jahre nicht mehr Max Goldt gelesen. Zumindest während meiner Moabiter Zeit nicht, denn dann hätte ich die Sache mit der Spirale in der Giraffe besser verstanden. Die Giraffe, ein Familienrestaurant in Tiergarten, gibt es nämlich noch. Wir waren aus nichtigen Gründen aber nie drin.

Max Goldt zu lesen erinnert mich an die Zeit, als man fast täglich mitten in der Nacht die Harald Schmidt-Show geguckt hat, weil sie zu der Zeit – so um 2000 rum – einfach so gut war. Die Kolumnen in Ä sind auch schon fast ein Vierteljahrhundert alt, was mich ein wenig fertig macht.

Heute Max Goldt zu lesen ist also ein wenig so, als hätte man 1996 Sachen von 1970 gelesen oder geschaut. Wer wäre das? Otto Waalkes? Oder Loriot? Loriot wäre gut, dessen Humor ist ja auch irgendwie zeitlos. Ist der Humor von Max Goldt überhaupt zeitlos? Manches wäre heute mehr als vor 25 Jahren eine ziemlich Grenzüberschreitung, fürchte ich.

200428 – Schach, Witten und Gruben

Ich unternehme einen erneuten Versuch, mein Schachspiel zu verbessern, denn wenn man schon den halben Tag verdaddelt, dann doch wenigstens kultiviert und die Nintendo die Switch scheint überall ausverkauft zu sein. Dabei jedenfalls hilft mir der Kurs auf schach.de ungemein.

Ich lernte, dass in der Nachbarstadt Witten die Wittener Tage für neue Kammermusik stattfinden, ausgerichtet vom altehrwürdigen WDR 3, der das alles höchst beflissen ins Netz stellt. Und jetzt weiß ich auch, was Kammermusik ist und warum das nichts für mich ist. Wobei – das hier fängt ganz wohltönend an. Ich warte dann auf den Autechre-Remix.


Besonderes Interesse erregen Figuren oder Gruppen, die irgendwas vor allen anderen gemacht, aber nie entsprechend gewürdigt worden sind. Für sie sind Attribute wie wegweisend, oder ihrer Zeit voraus erschaffen worden. Davon sind mir heute gleich mehrere untergekommen.

Da ist ein gewisser Tobias Gruben, der mir als „ungeschliffener Diamant deutscher Popkultur“ wohl weiterhin nicht aufgefallen wäre, hätten nicht Gruppen wie Messer und Isolation Berlin seine Stücke in einer Dokumentation gecovert.

In Interviews, teils unveröffentlichter Musik und Briefen führt DIE LIEBE FRISST DAS LEBEN direkt in das Herz und den Kopf eines fast vergessenen Musikers, der kurz vor dem kommerziellen Durchbruch an einer Überdosis stirbt und dessen Texte und Lieder bis heute berühren.

Dieser Film nun kann aus den bekannten Umständen nicht (oder kaum) in Kinos gezeigt werden und steht daher als Stream zur Verfügung.

Und dann gab es das merkwürdige, mir immerhin vage bekannte Duo Silver Apples, sowas wie die US-amerikanischen Kraftwerk. Dieses Filmchen gibt eine nette Einführung:

Max Frisch – Mein Name sei Gantenbein | Mad Men

Ein Mann, der „Geschichten anprobiert wie Kleider“. Mal ist er Gantenbein, mal Enderlin, mal Svoboda, einen Ich-Erzähler gibt es auch noch. Es ist alles sehr verworren und schlimm, vor allem schrecklich langweilig.

Gantenbein erinnert in gewisser Weise an die Serie Mad Men, die ich gerade ein weiteres Mal zuende zu schauen versuche, und ihren Protagonisten Don Draper, begnadeter Storyteller mit falscher Identität und trauriger Schmerzensmann, dem die Frauen stets um den Hals fallen.

Bislang scheiterte ich immer daran, dass die Serie kaum mehr als eine sündhaft teuer ausgestattete Edel-Soap zu sein scheint. Aber da sie Mitte Mai aus dem Netflix-Katalog getilgt wird, habe ich einen Anreiz für einen neuen Anlauf.

Evernote und die alte Frage nach Ordnern und Schlagworten

Ein Vorzug der Notizenapp Evernote ist ihr recht minimalistischer Funktionsumfang – gerade im Vergleich mit Microsofts Konkurrenzprodukt OneNote.

Gestern hat mich Evernote aber doch überraschen können, nämlich als ich feststellte, dass man Schlagworte hierarchisch anordnen kann. Das eröffnete ungeahnte Möglichkeiten.

Hintergrund

Ich verwende Evernote gerne auch als Serendipitäts-Tool, also um Themen und Konzepte, Sätze und Zitate (wieder)zufinden, die irgendetwas anstoßen: neue Ideen, Ergänzungen, Verknüpfungen, Vernetzung im Kopf. Das hat sich als kreativitätsförderndes Instrument bewährt und macht oft auch einfach Spaß. So als blättert man im eigenen Gedächtnis.

Eine gewisse Struktur ist dabei hilfreich, denn wenn alles im Eingangsordner läge, würde ich immer dieselben Notizen vor mir haben oder müsste immer tiefer scrollen. Gelöst hatte ich das bisher mit (möglichst wenigen) Ordnern, wie es Tiago Forte in seinem für mich epochalen Text Evernote and the Brain: Designing Creativity Workflows empfiehlt.

One of the classic debates for Evernote organization essentially is, ‘to tag or not to tag.’

Ordner und Schlagworte

Evernote pflegt die verbreitete Logik von Ordnern und Schlagworten: Jede Notiz muss in einem Ordner liegen, kann aber auch nur in genau einem Ordner liegen. Zugleich kann man sie mit einem oder mehreren Schlagworten versehen, muss dies aber nicht.

Ordner können in Evernote nur sehr begrenzt hierarchisch angelegt werden; zieht man einen Ordner auf einen anderen, wird ein so genannter Notizbuchstapel angelegt, der beide Ordner enthält. Klickt man auf diesen Stapel (den man auch umbenennen kann), an, werden einem alle Notizen der Ordner im Stapel angezeigt. Der Stapel selbst ist aber kein Ordner und kann keine Notizen enthalten. Leicht irreführend: Zieht man eine Notiz auf den Stapel, landet sie im ersten Ordner des Stapels, was man unter Umständen gar nicht merkt, aber auch nicht unbedingt will.

Ganz anders funktionieren die Schlagworte, wie ich inzwischen weiß; Sie lassen sich hierarchisch in mindestens fünf Ebenen anordnen (ein Schlagwort in einem Schlagwort in einem Schlagwort etc.) – mehr habe ich nicht probiert.

Die Verschlagwortung pflanzt sich dabei nicht nach unten fort. Im linksstehenden Beispiel sind die Notizen des Schlagworts Wahlen also beispielsweise nicht automatisch auch als Politik verschlagwortet. Ob das von Vor- oder Nachteil sein wird, wird sich herausstellen.

Eben habe ich kurzerhand und angenehm schnell meine Ordnerstruktur komplett in Schlagworten nachgebildet – und dort, wo es mir angebracht erschien erweitert. Das Gute ist, dass ich ohne Weiteres beide Strukturen parallel fahren kann: Die einfachere Ordnerstruktur ebenso wie die beliebig komplexe Verschlagwortung. Da, wo es Themen oder die Ziele, die ich mit ihnen verfolge, erforderlich machen, kann ich diese Komplexität auch hochfahren, um sie später wieder zu reduzieren. Ob und wie das auf lange Sicht sinnvoll ist, gilt es zu ergründen.