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Blendle statt Abo

Am Wochenende habe ich mein Digitalabo der Süddeutschen Zeitung gekündigt. Daraufhin habe ich eine Bestätigungs-E-Mail erhalten, wonach ich noch irgendwo anrufen solle, um irgendetwas zu klären. Das mache ich natürlich (vorerst) nicht, sondern gehe davon aus, dass das Abo endet, wie es sich gehört.

Meine Beweggründe bildet dieser Tweet nur leicht überspitzt ab:

Denn dieser betuliche Meinungsbeitrag der Schriftstellerin Eva Menasse steht nicht nur sinnbildlich für die Ideenarmut des Feuilletons in der SZ, sondern auch für den nicht enden wollenden Schwall an Artikeln über die Frage, was wir während der Pandemie nur machen sollen. Ich werde wohl nie ein Problem haben, die für mich zu beantworten und fühle mich daher nicht angesprochen.

Jedenfalls habe ich mich dann dazu entschieden, den erklecklichen Beitrag, den die SZ pro Monat kostet, einmal mehr der sympathischen niederländischen Firma Blendle zukommen zu lassen. Dort kann man – die meisten werden es kennen – Artikel aus einer Vielzahl deutscher und ausländischer Verlagsangebote für halbwegs wenig Geld kaufen und im Browser lesen – also abseits rumpeliger und nutzerfeindlicher PDF-Friedhöfe.

Dabei durchblättert man recht formschön die Zeitungen und Zeitschriften und klickt an, was man lesen will. Die Beträge werden von einem zuvor aufgeladenen Budget abgezogen. Was die Verlage für wenig Geld halten, entscheiden sie selbst. So entstehen erhebliche Unterschiede: Bei der FAZ etwa kostet pauschal alles 55 Cent. Die Süddeutsche lese ich dort noch über mein (auslaufendes) Abo, aber ich meine, für die längeren Stücke werden dort sogar 79 Cent genommen. Generell sind die deutschsprachigen Angebote ziemlich hochpreisig.

So entsteht der Effekt, dass man ständig im Kopf mitrechnet: Diesen Artikel, oder diesen, oder gucke ich erstmal, was noch kommt? Vor allem dieses Nichtwissen von dem „was noch kommt“ ist ein Problem: Lösen lässt sich das mit einer Vorauswahl über die Leseliste.

Die Titelgeschichte des aktuellen Spiegel für schlanke 1,99€

Am merkwürdigsten finde ich, dass diese Preise schon seit Jahren und vermutlich schon seit dem Deutschland-Start von Blendle gelten. Hat sich wirklich keiner der großen Verlage zu ein wenig Experimentierfreude durchringen können, was die Preisgestaltung betrifft?

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