Vollinklusion durch Social Media

Vollinklusion durch Social Media

Seit dem Don Quijote übernimmt es der Roman, die daraus entstehende Lage zu reflektieren. Das Individuum führt sein Leben nach Maßgabe seiner Lektüre. Es erreicht Inklusion, indem es Gelesenes copiert.

Niklas Luhmann – Die Gesellschaft der Gesellschaft, S. 627

Mit der entstehenden Lage ist der Umstand gemeint, dass Personen in der Gesellschaft nicht mehr durch Herkunft, Schicht, Geschlecht etc. positioniert werden, sondern die Freiheit erlangen – und mit ihr die Last -, sich selbst zu positionieren. Sie werden Individuen. Das verschärft die Möglichkeit der Täuschung, des Scheins. (Auf diese eigentümliche Bedeutung des Romans für die Moderne stoße ich immer wieder – erst gestern hier: How the Novel Made the Modern World).

Social Media ist nun eine regelrechte „Copiermaschine“. Ohnehin technisch per Retweet, aber auch in dem Sinne, dass das Individuum sich mit den Worten von Johannes Kuhnständig rückversicher[t], auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen“.

Die Inklusion – als Chance der sozialen Berücksichtigung von Personen – ist dann vielleicht die eigentliche Leistung der Technologie Social Media, sei es als Vollinklusion in das System der Massenmedien, oder das der Politik und ihrer öffentlichen Meinung oder vielleicht sogar in die Gesellschaft als solche.


(Jedenfalls sollte ich bei der Lektüre von Luhmann Ideen häufiger auch wirklich aufschreiben und mir das nicht lediglich vornehmen.)