Wolfgang Welt – Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe

Nach der Lektüre dieser Sammlung von Texten des Bochumer Autors Wolfgang Welt bestaune ich gerade seinen Wikipedia-Artikel. Offenbar ist der 2016 verstorbene Schriftsteller in seinen späten Jahren noch verdient zu Ehren gekommen.

Die Texte in Buddy Holly … haben oft diese Monotonie, die ich auch an Tagebüchern schätze. Welt fährt von a nach b, meistens zu Kneipen oder Konzerten oder Zeitschriftenredaktionen, trifft wen, erhofft sich irgendwas, was dann nicht klappt. Dazu die ruhrgebietstypische Mischung aus Maloche, Fußball und Bier. Grönemeyer kommt angenehm selten vor, die Buchhandlung Janssen hingegen angemessen häufig.

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Tortoise – It’s All Around You

Es deutet sich wieder eine längere Tortoise-Phase an, und seit heute gehört der unhaltbare Zustand, dass ich dieses eine ihrer Alben nicht besaß, endlich der Vergangenheit an. Natürlich gekauft bei Bandcamp.

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Andy Weir – Project Hail Mary

Dieses Buch habe ich schon seit gut einer Woche durchgelesen und die Review immer wieder aufgeschoben, denn sie kann nicht weniger als eine Huldigung sein.

Andy Weir erlangte Bekanntheit durch The Martian, welches durchaus sehenswert und erfolgreich mit Matt Damon verfilmt wurde. Project Hail Mary knüpft an das Rezept des Wissenschaftler-Protagonisten an, der sich aus einer ausweglosen Situation in die nächste hangelt, schraubt den Scope des Marsianers aber um Umdrehungen weiter: Es gilt, nicht weniger als ein menschheitsbedrohendes Extinction Event zu verhindern, dabei in ein benachbartes Sonnensystem zu fliegen und eine Lösung für ein Problem zu finden, von dem man überhaupt nicht weiß, ob es eine gibt. Und da sind die diversen fantastischen Plot Twists natürlich unterschlagen.

Weir ist einer der wenigen Autoren, die optimistische, technik- und wissenschaftsverliebte, nicht-militante Science Fiction schreiben, ohne dass man als Leser auf Spannung verzichten müsste. Im Future Ltd. Podcast erzählten sie, bei der NASA liebte man Andy Weir und es ginge immer jemand ran, wenn er anruft und Fragen hat, Und das scheint mir eine perfekte Umschreibung dieses Autoren zu sein.

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Tom Hillenbrand – Qube

In Hologrammatica hatte Tom Hillenbrand dem KI/Singularitätsthema einen frischen Anstrich verpasst. So richtig an alle Details der Geschichte erinnern konnte ich mich nicht mehr, als ich zum Nachfolger Qube griff, aber das stellte sich nicht als Hindernis bei der Lektüre heraus. Zwar wurde auf einzelne Personen und Handlungsstränge Bezug genommen, aber Qube kann durchaus für sich stehen.

Und auch in Qube lässt Hillenbrand wieder einige spannende Ideen fallen – so etwa, dass KIs nicht miteinander kommunizieren könnten, gäbe es denn mehrere auf der Erde. Das wird nicht nur behauptet, sondern innerhalb der Logik der Geschichte schlüssig erklärt.

Insgesamt lässt mich der Band aber etwas enttäuscht zurück: Die Story braucht lange um Fahrt aufzunehmen um dann in in einem etwas albernen (und leider auch unplausiblen) Augmented Reality-Spiel zu gipfeln. Von den vier Protagonisten sind lediglich zwei wirklich interessant und das Ende leitet allzu deutlich zu einer weiteren Fortsetzung über.

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Arthur Koestler – Darkness at Noon

Arthuer Koestler beschreibt Inhaftierung und Verhöre eines alten Bolschewiken, Rubaschow, der zunächst Verbrechen leugnet und schließlich gesteht, von denen er weiß, dass er sie nicht begangen hat.

Darkness at Noon ist ein geistiger Zwilling von 1984, jedoch frei von Dystopie und Fantastik. Die minimalistische Gefängnisgesellschaft wird hervorragend geschildert, Werdegang und Innenleben des Rubaschow ebenfalls. Ein hervorragender, bahnbrechender Roman.

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Michael Marrak – Das Haus Lazarus

Ein Kurzgeschichtenband mit deutlichen Höhen und Tiefen. Mal sehr guter, bildgewaltiger Horror, mal absurde Komik. Den Abschluss bildet eine eher unrunde Blade Runner-Homage mit Biohacker-Thematik.

Das Nachwort liefert dann eine Erklärung für den disparaten Charakter. Der Autor ist für eine Jahrzehnte überspannende Werkschau in seine digitalen Archive gestiegen, hat frühe Versionen und ältere Texte zu diesem Band gesammelt.

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Richard Seymour – The Twittering Machine

Ich habe mich von sämtlichen Digital detox-Ratgebern ferngehalten (wie von allen übrigen Ratgebern auch). The Twittering machine ist auch keineswegs so ein Buch, aber es hatte einen ähnlichen, vielleicht sogar wirksameren Effekt, nämlich, mein Twitter-Profil auf knapp über Null herunterzufahren.

Das Buch ist eine schonungslose Polemik der Social Industry, und der schweren Abhängigkeiten und Externalitäten, die sie schafft. Die Fallbeispiele waren mir weit überwiegend längst bekannt, der nicht vorhandene Nutzen der Netzwerke ebenfalls. Die Drastik und Bündelung all dessen war aber äußerst eindrucksvoll, auch wenn sie nicht bis zur endgültigen Löschung des Profils gereicht hat. Dafür bin ich eben noch zu abhängig.

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Kevin Roose – Futurepeoof

9 rules for humans in the age of automation lautet der vollständige Titel dieses Büchleins des NYT-Journalisten Kevin Roose.

Geschrieben ist es in diesem schmissigen, niemals anstrengenden Stil amerikanischer Sachbücher, in denen jedes Kapitel durch eine Anekdote, ein Schicksal gerahmt werden muss.

Die 9 Regeln streifen den Self Help-Duktus, ohne dabei vollkommen unbrauchbar zu sein. Die Rolle des Konsequentialisten könnte mir gefallen.

Fazit: spannend und ein wenig hilfreich. Könnte kürzer sein, aber dann wäre es wahrscheinlich aus Verlagssicht zu kurz.

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Judith Shklar – Über Ungerechtigkeit

Noch ein Buch, das ich mir von der Unibibliothek Hagen habe schicken lassen. Von Shklar hörte ich erstmals in einem Radiobeitrag, natürlich habe ich vergessen welchem; danach fiel mir ihr Name häufig in den Fußnoten und Zitationen diverser Bücher auf, die ich las.

Die liberale Theoretikerin entwirft eine eigene Perspektive auf Ungerechtigkeit, in der diese mehr ist als nur der Gegenpol von Gerechtigkeit. Ungerechtigkeit gibt es auch in Ordnungen, die sich für gerecht halten.

Zudem unterscheidet sie die Unterscheidung von Unglück und Ungerechtigkeit. Was einst Unglück war, das einem eben widerfährt, kann auch Ungerechtigkeit sein oder werden, die es zu beseitigen gilt. Diese Prozesse vollziehen sich natürlich nicht ordentlich und reibungslos. So ist Über Ungerechtigkeit auch eine geeignete Folie, um aktuelle Debatten zu beobachten.

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