Mad Men | Devs | The Leftovers

Kürzlich habe ich ein paar Serien zuende geguckt:

Mad Men habe ich schon vor Jahren begonnen zu schauen und nach zwei Staffeln aufgegeben. Jüngst las ich aber allerorten, dass Netflix Mad Men im Programm hat, die Serie Mitte Mai aber aus selbigem schmeißen würde. Also unterwarf ich mich einem Marathon von mindestens drei Folgen pro Tag, um durch die verbliebenen fünf Staffen zu rasen. Hätte ja sein können, dass die Serie ab Staffel drei plötzlich so gut würde, wie alle sagen. Wurde sie aber nicht. Auch nicht in Staffel sieben.

Devs ist eine achtteilige Serie von Alex Garland, der mit Ex Machina und Annihilation bereits auf sich aufmerksam gemacht hat, und sie ist nahezu perfekt. Wie eine richtig gute Scifi-Kurzgeschichte, beispielsweise von Ted Chiang, oder wie eine sehr sehr gute Star Trek-Episode: Visionär, höchst menschlich, wohlklingend, äußerst gutaussehend, bahnbrechend und meiner Meinung nach abgeschlossen – von einer Fortsetzung ist also nicht auszugehen. Für den Trailer klickt man hier, die Besprechung von Future Ltd. ist auch zu empfehlen.

The Leftovers zeichnet sich mit drei Staffeln zu je zehn Folgen auch durch eine wohltuend geringe Länge aus, hat den wahrscheinlich umwerfendsten Schluss der Seriengeschichte und zeichnet so gut wie kaum ein mir bekannter fiktionaler Stoff das Bild einer ganzen Gesellschaft. Man muss sich darauf einlassen, mit jeder Menge religiöser Motive, aber auch so mancher komplett irrer Wendung konfrontiert zu werden. Die erste Staffel weiß noch nicht so richtig, wohin mit sich, aber dann wird es außerordentlich gut.

200514

Erst heute habe ich gemerkt, dass Evernote auch Notizen per E-Mail verschicken kann. Keine besonders anspruchsvolle Funktion, aber hilfreich, um zum Beispiel Blogposts zu formulieren. Die kann ich dann nämlich wiederum in WordPress reinmailen und das macht mehr Spaß als mit dem WordPress-Editor zu schreiben.

Spannende Fragen:

  • Wird der Notiztitel zum E-Mail-Betreff und dann zum Post-Titel?
  • Wird der Evernote-Werbefooter mit übernommen?
  • Wie würde ich vorgehen, wenn ich Bilder mitliefern will?
  • Wird diese Liste richtig formatiert? Und dieser gefettete sowie dieser kursive Text?
  • Funktioniert die Verlinkung dort oben?

Ich bin sehr aufgeregt.

200428 – Schach, Witten und Gruben

Ich unternehme einen erneuten Versuch, mein Schachspiel zu verbessern, denn wenn man schon den halben Tag verdaddelt, dann doch wenigstens kultiviert und die Nintendo die Switch scheint überall ausverkauft zu sein. Dabei jedenfalls hilft mir der Kurs auf schach.de ungemein.

Ich lernte, dass in der Nachbarstadt Witten die Wittener Tage für neue Kammermusik stattfinden, ausgerichtet vom altehrwürdigen WDR 3, der das alles höchst beflissen ins Netz stellt. Und jetzt weiß ich auch, was Kammermusik ist und warum das nichts für mich ist. Wobei – das hier fängt ganz wohltönend an. Ich warte dann auf den Autechre-Remix.


Besonderes Interesse erregen Figuren oder Gruppen, die irgendwas vor allen anderen gemacht, aber nie entsprechend gewürdigt worden sind. Für sie sind Attribute wie wegweisend, oder ihrer Zeit voraus erschaffen worden. Davon sind mir heute gleich mehrere untergekommen.

Da ist ein gewisser Tobias Gruben, der mir als „ungeschliffener Diamant deutscher Popkultur“ wohl weiterhin nicht aufgefallen wäre, hätten nicht Gruppen wie Messer und Isolation Berlin seine Stücke in einer Dokumentation gecovert.

In Interviews, teils unveröffentlichter Musik und Briefen führt DIE LIEBE FRISST DAS LEBEN direkt in das Herz und den Kopf eines fast vergessenen Musikers, der kurz vor dem kommerziellen Durchbruch an einer Überdosis stirbt und dessen Texte und Lieder bis heute berühren.

Dieser Film nun kann aus den bekannten Umständen nicht (oder kaum) in Kinos gezeigt werden und steht daher als Stream zur Verfügung.

Und dann gab es das merkwürdige, mir immerhin vage bekannte Duo Silver Apples, sowas wie die US-amerikanischen Kraftwerk. Dieses Filmchen gibt eine nette Einführung:

200407

Vor einem Jahr besuchte ich die Zeche Hannover und zelebrierte das erste abendliche Balkonsitzen – noch in der Sachsenstraße.

Und heute?

  • Aufgrund einer viel versprechenden Besprechung in der Süddeutschen habe ich mir ein Buch gekauft – elektronisch, denn das Erscheinen der Druckausgabe wurde verschoben: (Ent-)Demokratisierung der Demokratie von Philip Manow (Buchprofil beim Verlag).
  • Ich bin fünf Kilometer in unter 30 Minuten gelaufen, das ist für meine Verhältnisse bemerkenswert.
  • Wir haben den Großeinkauf unternommen, der uns über Ostern bringen sollte. Mittlerweile muss beim Rewe jetzt jeder mit Einkaufswagen in den Laden. Haben wir aus einem Großeinkauf eben zwei kleinere gemacht (und so die Höchstabgabemengen verdoppelt – aber nur für Milch und Quark, nicht Toilettenpapier, keine Sorge).

200406

Es ist warm genug, dass man abends auf dem Balkon sitzen, aber frisch genug, dass man dort noch Tee trinken kann.

Ich höre den Lockdown-Mix des Ambient-Blogs und der füllt eine Stunde ganz gut mit Rauschen und gelegentlichem Instrumental-Ambient aus:


Gehört habe ich heute außerdem und ausnahmsweise den Lage der Nation-Podcast, vor allem weil mich die Meinung des Hosts Ulf Buermeyer zum Themenkomplex „Corona-App“ interessierte – gut fand ich seine Argumentation, es gebe kein „Supergrundrecht“ auf Datenschutz. Er steht gerade bei Twitter ein wenig im Feuer:

Verblüffend finde ich, wie substanzlos mir die meisten Gegenargumente die „Corona-App“ betreffend erscheinen, auf die ich bei meinen Recherchen (= Suchaufträge im Inoreader) stoße, nachdem ich mich erst seit gestern Nachmittag und nur zwei bis drei Stunden mit dem Thema beschäftigt habe. Der Datenschutz-Reflex ist ausgeprägt, alles als staatliche Totalüberwachung abzutun.

Damit ist wohl bemerkt nicht ausgeschlossen, dass es auch gute Argumente gegen diese technische Lösung gibt. Meine Meinungsbildung ist noch nicht abgeschlossen.

200405 – Specht | EA80 | Corona-App und Freiheitsrechte

Wir waren extra früh, nämlich um 8:00, draußen, um den zu erwartenden Menschenmassen zu entgehen. Das hat gut funktioniert und es wurde ein Specht gefilmt:

Im weiteren Tagesverlauf habe ich das Hörbuch At the Mountains of Madness beendet und mit dem Thema Hörbücher endgültig abgeschlossen. Nichts für mich. Dass ich das Buch schrecklich langweilig fand, kann entsprechend auch am Medium liegen und nicht als abschließendes Urteil über H. P. Lovecraft gelten.

Außerdem musste ich mal wieder an die Gruppe EA80 und ihre sensationelle Website denken.

Die Veröffentlichungen von EA80 erscheinen im Eigenvertrieb, oder mit Hilfe von Freunden. Es gibt kein Merchandise, kein offizielles Promotionmaterial und seit Anfang der 1990er Jahre nur wenige Interviews. Die Verweigerungshaltung gegenüber den üblichen Vermarktungsmechanismen zeigt sich auch im offiziellen Webauftritt, der lediglich den Bandnamen auf schwarzem Hintergrund in weißer Schrift zeigt.

Wikipedia: EA80

Um mein Informationsdefizit auszugleichen, recherchierte ich ein wenig in Sachen Grundrechte in Zeiten von Corona und zu der so genannten Corona-App, von der viel die Rede ist:

Linus Neumanns Überblick zum Thema App scheint mir der umfassendste zu sein. Monitor berichtete gewohnt fundiert über die Grundrechtseingriffe.

Weitere Artikel, die ich noch nicht gelesen, aber für die Lektüre zurückgelegt (Auszüge per RSS-Feed):

200404

Was mir da aus der Mütze wächst ist das Vogelfutterhäuschen.

Erster richtiger Frühlingstag, der standesgemäß auf dem Balkon verbracht wurde. Der große Balkon in ruhiger Lage ist mehr denn je ein Privileg

Sie ist nämlich sehr gut, die Surf City-EP von der Gruppe Surf City:


Vor einem Jahr teilte ich einen Link, den ich danach vergessen habe, nämlich ein Archiv von 17000 Historic Blues & Folk Recordings das von einem gewissen Alan Lomax gepflegt wurde. Und auch wenn die genannten Musikrichtungen mir gar nicht so sehr zusagen: so archaische Aufnahmen, als Musik noch gar nicht für das Aufnehmen vorgesehen war, sind schon sehr eindrucksvoll. Zum Beispiel diese Gesänge von unidentified prisoners.


In der Süddeutschen ein Interview mit Juli Zeh, die sich ja als rechtsgelehrte Schriftstellerin bzw. schreibende Verfassungsrichterin betätigt und entsprechend zu den aktuellen Grundrechtseinschränkungen befragt wird – jedoch vor lauter Abwägen keine klare Position zu finden scheint.

Ich habe jedenfalls das Gefühl, ich bin zu unaufmerksam. Dinge wie die, die ich beim Perlentaucher unter Verweis auf den New Statesman lese, gehen mir jedenfalls gehörig auf die Nerven:

Die britischen Corona-Gesetze geben der Regierung die Macht, Häfen und Flughäfen zu schließen oder Wahlen und andere Großveranstaltungen abzusagen. In Taiwan werden diejenigen, deren Smartphone den Schluss nahelegen, dass sie ihre Quarantäne verletzen, sofort von der Polizei aufgesucht. Israels Notfallmaßnahmen erlauben die Anwendung verhältnismäßiger Gewalt, um Versammlungen aufzulösen. Frankreich erfordert von allen, die ihr Haus verlassen, eine Bescheinigung mit gültigen Gründen. In Polen fordert eine App Menschen unter Quarantäne auf, zu verschiedensten Uhrzeiten Selfies von sich mit genauer Ortung zu senden.

Ich schaue einmal mehr, was der Verfassungsblog macht, bin aber von der Fülle an juristischen Fachtexten überfordert.

200403

Mein Arbeitsplatz der vergangenen und kommenden Wochen.

Was man dieser Tage halt so tut:

Ein Text, zu dem ich immer wieder zurückkehre, ist Evernote and the Brain: Designing Creativity Workflows von Tiago Forte. Er erinnert mich an den Wert einer kontinuierlich genutzten Notizenapp – die weniger Pflege im Sinne von Ordnerstrukturen und Taxonomien braucht, als man denkt. Was sie hingegen braucht ist eine schnelle Suche. Daher bereue ich es, dass ich zwischenzeitlich Evernote den Rücken gekehrt und minderwertige Lösungen erprobt hatte.

Aber in meine mittlerweile rund 1000 Evernote-Notizen einzutauchen, Ideen zu ergänzen oder auszuformulieren, Querverweise zu finden oder angedachte Ideen weiter zu recherchieren, kommt nahe an den Flow-Zustand. Sehr angenehm und entspannend.

200329

Morgens um 8 höre ich Rauschmusik von Michael Begg – gefunden beim Ambientblog:

Begg programmed software “to track live satellite data and transform the stream into ‘meaningful’ musical information.”


Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ von Benjamin Maack habe ich wegen dieser Besprechung bei 54books erworben und heute beendet. Ich könnte nichts besseres dazu schreiben, als es Sophie Weigand dort schon getan hat.

Vielmehr erzählt er in „Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ von mehreren schweren depressiven Episoden, die ihn sowohl in die Psychiatrie als auch in einer akuten Krise auf eine geschlossene Station gebracht haben. Depression bedeutet in seinem Fall vor allem ein Verlust von Empfindungsfähigkeit.


Und weil sie drüben bei Das war vor Jahren die „Hamburg Years“ von Tocotronic besprechen – also die ersten Alben bis einschließlich K.O.O.K -, habe ich heute immerhin die ersten drei auch gehört. Musik, die inzwischen auch schon ein gutes Vierteljahrhundert alt ist. Und ich bin froh, dass nicht nur ich jede Menge Humor in den frühen Texten erkenne.

Die Idee war gut, aber unser Laberdrang mal wieder mehr als bereit: Das TOCOTRONIC-Gesamtwerk wollten wir in zwei Podcast-Folgen als THE HAMBURG YEARS (Digital ist besser bis K.O.O.K) und THE BERLIN YEARS (der Rest) präsentieren, aber nach satten DREI STUNDEN waren wir gerade mal mit Es ist egal, aber durchgekommen. Also wird es wohl auf mindestens drei Folgen hinauslaufen und das hier ist die erste.

s02e04 – Tocotronic: The Hamburg Years