Sartori | Haard | Brazil

Fertig gelesen habe ich den Band Demokratietheorie von Giovanni Sartori. Das Buch habe ich mir von der Universitätsbibliothek der Fernuni Hagen schicken lassen, um das auszuprobieren. Der Zugriff auf Demokratie ist eher philosophischer Art und keine empirische Systematisierung. Von sowas hält Sartori (sympathischerweise) recht wenig.

Lästig nur, dass ich das Buch nun auch wieder zurückschicken muss.

Das Wanderjahr eröffneten wir heute mit passablen 12km in der Haard. Das war gut:

Und das hier ist ganz erstaunlich – via hmbl.blog:

Den Film Brazil kenne ich noch nicht. Auf Amazon gibt es ihn nur mit deutscher Tonspur. Seit gestern kann man ihn aber endlich auf Mubi im Original gucken und das könnte hier heute abend geschehen.

Twoff | Ententraum

Heute haben wir also gelernt, dass Schauspieler nicht zwangsläufig die allerhellsten sind. Alle anderen aber auch nicht; auf dichtmachen reimt sich schließlich schlichtmachen und darum muss man jetzt mindestens das ganze Wochenende einen unterirdisch dämlichen Hashtagkrieg erdulden – außer man muss es nicht.

Zwar habe ich vor Monaten meine Twitter-Followerschaft von sämtlichen Hashtag-Kampagneros und Sau-durchs-Dorf-Treibern befreit, aber heute morgen schien das vollkommen wirkungslos: Niemand konnte nicht mitmachen. Also habe ich die App deinstalliert und das Browser-Tab geschlossen und das bleibt vorerst auch so.

Anstelle dessen lese ich weiter den halben Meter an Studienbriefen der Fernuni Hagen, wo ich mich an einem Masterstudium versuche, oder lese die Demokratietheorie von Sartori, oder Elias‘ Über die Zeit, oder höre die neuen Alben der Gruppen ZINN und International Music. Sie scheinen beide sehr gut zu sein. Eins von beiden trägt den famosen Namen Ententraum. Außerdem wird morgen eine Wanderung unternommen. Vielleicht mache ich Fotos. Mehr dann hier.

cityscapes

Manchmal greifen verschiedene Quellen durch Zufall thematisch schön ineinander: Heute passierte das mit futuristischen Städten, oder Städten der Zukunft, oder Städten in der Science Fiction. Seit jeher ein Lieblingsthema von mir.

Neuromancer und der Sprawl

Da ist zum einen der Podcast Sprawl Radio, in dem Alexander Schwiewager und Stephan Fasold Neuromancer von William Gibson lesen und dabei das Genre des Cyberpunk ausführlich besprechen, das maßgeblich von diesem Buch geprägt wurde.

In der zweiten Folge des Podcasts wurde die Idee des Sprawl bzw. der Boston-Atlanta Metropolitan Axis (BAMA) vorgestellt. Darin ist praktisch die gesamte Ostküste der USA zu einer einzigen Metropolregion zusammengewachsen, in der man dann auch beispielsweise von New York nach Baltimore mit der U-Bahn fahren kann. Die Stadt ist hier vor allem vertikal, in die Höhe gebaut, wie es schon Metropolis vor- und seitdem Blade Runner, Das Fünfte Element, Star Wars und zig anderen Filme nachmachten.

Hypercity und Superstudio

Und da ist zum anderen ein architektonisches Thema, das im heutigen Efeu des Perlentaucher verlinkt wurde:

die Idee einer „Hypercity“, einer Bandstadt entlang der Autobahn A24 zwischen Berlin und Hamburg …

.. wird im Interview der taz mit der Architektin Imke Woelk erläutert. Die Illustrationen und Mock-Ups der Ausstellung sehen absolut faszinierend aus. Unbedingt anschauen!

So eine Bandstadt, hundert Meilen lang und autofrei, wird zur Zeit auch in Saudiarabien geplant, wie das Efeu unter Verweis auf einen Guardian-Artikel von Oliver Wainwright feststellt. Darin geht es unter der fantastischen Überschrift A building as big as the world: the anarchist architects who foresaw endless expansion um das italienische Architekturkollektiv Superstudio:

In einer eindrucksvollen Serie von Collagen stellten die Designer die riesige blockartige Masse dar, die den Globus mit einem unaufhaltsamen Gürtel von Gebäuden umgibt, der die Felsen des Monument Valley in Utah in den Schatten stellt.

Zu Superstudio wiederum gibt es aktuell eine Ausstellung in Brüssel Auch hier: Unbedingt die Visualisierungen anschauen. Das wäre eine vollkommen andere Utopie der futuristischen Stadt: Nicht vertikal, in die Höhe strebend, sondern flach, verteilt, wie ein Netzwerk.

Blendle statt Abo

Am Wochenende habe ich mein Digitalabo der Süddeutschen Zeitung gekündigt. Daraufhin habe ich eine Bestätigungs-E-Mail erhalten, wonach ich noch irgendwo anrufen solle, um irgendetwas zu klären. Das mache ich natürlich (vorerst) nicht, sondern gehe davon aus, dass das Abo endet, wie es sich gehört.

Meine Beweggründe bildet dieser Tweet nur leicht überspitzt ab:

Denn dieser betuliche Meinungsbeitrag der Schriftstellerin Eva Menasse steht nicht nur sinnbildlich für die Ideenarmut des Feuilletons in der SZ, sondern auch für den nicht enden wollenden Schwall an Artikeln über die Frage, was wir während der Pandemie nur machen sollen. Ich werde wohl nie ein Problem haben, die für mich zu beantworten und fühle mich daher nicht angesprochen.

Jedenfalls habe ich mich dann dazu entschieden, den erklecklichen Beitrag, den die SZ pro Monat kostet, einmal mehr der sympathischen niederländischen Firma Blendle zukommen zu lassen. Dort kann man – die meisten werden es kennen – Artikel aus einer Vielzahl deutscher und ausländischer Verlagsangebote für halbwegs wenig Geld kaufen und im Browser lesen – also abseits rumpeliger und nutzerfeindlicher PDF-Friedhöfe.

Dabei durchblättert man recht formschön die Zeitungen und Zeitschriften und klickt an, was man lesen will. Die Beträge werden von einem zuvor aufgeladenen Budget abgezogen. Was die Verlage für wenig Geld halten, entscheiden sie selbst. So entstehen erhebliche Unterschiede: Bei der FAZ etwa kostet pauschal alles 55 Cent. Die Süddeutsche lese ich dort noch über mein (auslaufendes) Abo, aber ich meine, für die längeren Stücke werden dort sogar 79 Cent genommen. Generell sind die deutschsprachigen Angebote ziemlich hochpreisig.

So entsteht der Effekt, dass man ständig im Kopf mitrechnet: Diesen Artikel, oder diesen, oder gucke ich erstmal, was noch kommt? Vor allem dieses Nichtwissen von dem „was noch kommt“ ist ein Problem: Lösen lässt sich das mit einer Vorauswahl über die Leseliste.

Die Titelgeschichte des aktuellen Spiegel für schlanke 1,99€

Am merkwürdigsten finde ich, dass diese Preise schon seit Jahren und vermutlich schon seit dem Deutschland-Start von Blendle gelten. Hat sich wirklich keiner der großen Verlage zu ein wenig Experimentierfreude durchringen können, was die Preisgestaltung betrifft?

200811

Ich lese bei Jawl und Kiki Thaerigen regelmäßig und staunend, was für irre Dinge ihnen in mitunter seltsamer Parallelität bei Twitter widerfahren. Heute wurde es besonders absurd und unangenehm:

Halten wir fest: Irgendwer (ich) benutzt, während er erwähnt, dass es ihm gerade nicht so dolle geht, das Wort „Zug“.

11.8.2020 – thoughtrain or no throughtrain. That should be no question

und:

Offenbar hat es ihn jedoch zu Tode gekränkt, denn er prangerte mich vor seinen weit über zehntausend Followern an, rief zum Boykott meiner Arbeit auf und blockte mich umgehend, damit ich nicht weiter reagieren konnte.

Befindlichkeitsgedöns (eine Art Fortsetzung von gestern)

Mir sind solche Dinge im Prinzip nie passiert; nur einmal drohte ein Bundestagsabgeordneter der CDU, mich bei meinem Arbeitgeber anzuschwärzen. Ich hatte damals gerne robuster diskutiert, sicher ein wenig übertrieben und mich angesichts der Drohung entschuldigt.

Heute bekam ich zufällig mit, dass das Profil einer im Social Web etwas bekannteren Sozialdemokratin nicht mehr erreichbar war, mutmaßlich wegen früherer Aussagen zur Eignung des Olaf Scholz für die Kanzlerkandidatur. Ich habe rund 100 Sekunden versucht, mich in die Hintergründe einzulesen, aber Twitter ist dankenswerterweise ja so unübersichtlich, dass das praktisch nie gelingt.

Sagen wir so: Die paar Wochen, in denen ich Twitter nicht auf dem Handy hatte, waren entspannter. Umso seltsamer, dass es da inzwischen doch wieder ist.

Und sonst so?

Wasser auf meine Mühlen:

Online-PDF-Dokumente sind auch nach 20 Jahren problematisch zu lesen und für den Konsum durch Menschen schlicht ungeeignet.

Golem.de

200809 – city=plan=city

Heute habe ich wieder audiovisuell experimentiert. Zunächst wurde mit dem schönen Tool Pixelsynth erneut ein Bild vertont. Warum? Weil es geht. Das sieht so aus:

Der einzig interessante interessanteste Part daraus war der über den breiten schwarzen Balken – auch wegen der Stille. Also habe ich mit dem herumgespielt. Das Ergebnis klingt so:

Und weil ich das um den Kreis zu schließen wieder visualisieren wollte, habe ich eine Visualisierung des VLC-Players gescreencasted. Einfacher wird’s nicht, billiger auch nicht:

Immerhin hat das alles so wenig Zeit in Anspruch genommen, dass wir heute morgen bei angenehm bedecktem Himmel vier Stunden gewandert sind, nämlich meine neue Lieblingsroute über die Springorumtrasse nach Dahlhausen, von dort einem Wanderweg folgend zum Ruhrufer in Hattingen und dann durch das Weitmarer Holz nach Hause. Von den vielen Tieren, die wir gesehen haben, wurden abgebildet ein gerade fliehendes Reh und eine Schar Kanadagänse:

200808

Heute war meine Bochumer Infostandpremiere – und der erste Standdienst seit der Bundestagswahl 2017. Wenige Leute zwar, die aber durchweg freundlich. Hat Spaß gemacht und war zum Glück im Schatten.

Aus der heutigen Süddeutschen:

SZ: Wie macht man das überhaupt: mit dem Zug nach Japan reisen?

Tino Sehgal: Das ist nicht so schwer: wenn man den Zug nimmt, von Berlin aus, steigt man einmal in Moskau um. Und dann sieht man fünf Tage lang Birken vor den Fenstern. Von China aus nimmt man eine Fähre nach Korea, kurz noch mal Zug und dann von der Südspitze Koreas noch mal eine Fähre nach Japan.

Diese Idee, dass man als Westeuropäer unfassbar weit nach Osten reisen könnte, fasziniert mich schon lange.


Eugene Wei analysiert in einem lesenswerten Beitrag Tik Tok. Ich bin noch nicht ganz durch, aber die Unterscheidung von Social Graph und Interest Graph und daran anschließend die Beschreibung der Grobheit des Social Graph ist sehr instruktiv:

The problem with approximating an interest graph with a social graph is that social graphs have negative network effects that kick in at scale. Take a social network like Twitter: the one-way follow graph structure is well-suited to interest graph construction, but the problem is that you’re rarely interested in everything from any single person you follow. You may enjoy Gruber’s thoughts on Apple but not his Yankees tweets.

Und sollte man doch an allem interessiert sein, was eine einzelne Person zum Besten gibt, dann ist man mit gewisser Wahrscheinlichkeit ein Stalker.

200806 – Hier kommt die Kälte

Denn sie wird kommen. Um sie zu begrüßen und zur persönlichen Erbauung habe ich den schönen Opener des schönsten Die Heiterkeit-Albums ein wenig durch Noise-Filter gedreht. Ist bestimmt verboten.

Zur Erholung und weiteren Verfrierung das Original:


Vor einem Jahr war ich in Herne, wie das Archiv verrät:

Ja, meine Art der Fotografie ist merkwürdig.

Als ich die Kürbisse goss.

Wie es gerade aussieht. Nicht im Bild: Fledermäuse.

200803 – was ist das Gegenteil vom Aufspannen eines Schirms?

Aufgrund von Verstrickungen, die dereinst als der Elektrikerstreit von 2020 in die Geschichte eingehen werden, habe ich heute unseren Sicherungskasten fotografiert. Bestimmt kann ich mir ab jetzt merken, welcher von den dreien unserer ist. Ganz bestimmt.

Serien gucken lohnt sich einfach nicht mehr. Das X-te Superheldenvehikel Umbrella Academy nervt mit zahllosen möglichst unpassend eingesetzten Popsongs und dem immer wiederkehrenden Plot-Device, dass die Leute sich ständig streiten und nie am selben Ort sind, wenn sie es sollten. Anfangs interessant, schnell unterträglich.

200801

Vor dem Eintreffen der Gewitter noch gepflegt den Balkon bevölkern.

Gestern: Alien Covenant geschaut und auch sonst der Hitze getrotzt.


Gerade wurde ich beim Hören des exzellenten Albums Jisei von Vittorio Guindani gewahr, warum ich diese Spielart des Ambient so schätze. Weil ich mit den Tönen und Geräuschen keinerlei Bild assoziieren kann und folglich auch nicht muss. Kein Instrument, keine Menschen, kein Orchester, keine Posen wie bei der Rockmusik, kein Publikum und keinen Tanz wie bei elektronischer Musik, aber auch keine natürlichen Geräuschquellen wie bei Found Sounds oder Naturaufnahmen. Der Klang steht vollkommen meditativ und assoziationsfrei für sich.

Deshalb kann ich mit den instrumentalen Spielarten der Ambientmusik, wo sachte auf Klavieren geklimpert oder mit akustischen Gitarren geklampft wird, auch so absolut nichts anfangen. Gleiches gilt für „die sogenannte Neoklassik“ im Stil von Max Richter, der Ljubiša Tošić im Standard Tiefe und Komplexität abspricht. Das wiederum ist nicht meine Haltung. Ambient mag sich einfach produzieren lassen. Punk auch.