16.1.19: Grünkohl und „Titans“

Heute nahm ich an Arbeitskreissitzungen im Haus der Wirtschaft in West-Berlin teil. 70er-Jahre-Bausubstanz am Ernst-Reuter-Platz kaum zehn Minuten von meinem Noch-Wohnort entfernt.

Die Mittagspause verbrachten wir in der Kantine der nahegelegenen Bundesbank (wo ich vor rund vier Jahren ein gefühltes Kilo Kleinstgeld in Scheine wechselte) und wo ich – das ist tatsächlich etwas besonderes – Grünkohl aß. Nicht so gut wie selbstgemacht, was gut ist, weil es heißt, dass der selbstgemachte gut ist.

Danach fuhr ich dann noch ins Büro und fand zwei schreckenserregende Mails im Postfach vor, die mich aber erstaunlich unaufgeregt zurückließen. Anschließend erledigte ich noch ein paar wichtige Sachen mit dem Chef, damit sie morgen bereits erledigt sind. Gut.

Und eben schaute ich die erste Folge von Titans bei Netflix. DC will jetzt offenbar auch „grittty“ Serien wie Daredevil, Jessica Jones etc. Aber ich fands nicht schlecht. Abgesehen von Dick „Robin“ Grayson weiß ich nicht, wer die Leute sind, was es eher noch interessanter macht. Von DC habe ich nur wenig gelesen und wenn dann Batman.

13.1.19: Oum Kalthoum und Talk Talk

Samstag waren wir zum ersten Mal im Bochumer Schauspielhaus, allerdings nicht zu einem Stück, sondern in den Kammerspielen zu einem Konzert arabischer Musik:

Die ägyptische Sängerin Oum Kalthoum gilt bis heute als eine der einflussreichsten Musikerinnen der arabischen Welt des 20. Jahrhunderts. Mit ihren Improvisationen versetzte sie ihr Publikum in eine Mischung aus Ekstase und Trance. DIVA – Celebrating Oum Kalthoum ist eine Ode an das Erbe der legendären Sängerin. Der Regisseur Ariel Efraim Ashbel feiert Oum Kalthoum in einem Performance-Konzert mit dem internationalen NRWedding Orchestra for Middle Eastern Music.

Schauspielhaus Bochum

Auch wenn uns die Musik nicht so sehr zusagte: Den Musikern des zwanzigköpfigen Ensembles zuzuschauen machte großen Spaß.


Bei Pitchfork rezensieren sie den Klassiker Spirit of Eden von Talk Talk und vergeben – natürlich – die Höchstwertung. Guter Anlass, mir die Platte für die heutige Heimfahrt rauszulegen (= von der Diskstation aufs Mobiltelefon runterzuladen).

Legend holds that when the A&R man at EMI heard it, it brought him to tears—not just because of its tidal beauty, but because he knew it wasn’t going to sell. A hugely successful UK band turned their sound inside out and delivered this whisper of a record, some slow, faint echo of their former synth-pop heartbeat.


Stellen wir uns einmal vor, der Mann, der im Ruhrgebiet mit seinem Auto in die Menge raste und dabei sechs Menschen schwer verletzte, wäre ein syrischer Flüchtling gewesen.

Michael Spreng

12.1.19: Ornithologie

Mit halbstündiger Verspätung kam ich gestern abend in Bochum an. Grund: Ein liegengebliebener Güterzug vor uns auf der Strecke zwischen Hannover und Bielefeld. Kann man nichts machen und dreißig Minuten sind akzeptabel.


Überraschende Vogelsichtungen heute morgen vor dem Bochumer Wohnzimmerfenster:

Und jetzt ein Grünspecht im Vorgarten gegenüber. Ich bin verblüfft und entzückt. #Vogelbeobachtung #Bochum— EBaumann (@EvaEBaumann) 12. Januar 2019

Der E-Mail-Provider mailbox.org meiner Wahl veröffentlicht einen Transparenzbericht. Netzpolitik.org dazu:

Der E-Mail-Provider mailbox.org veröffentlicht seinen Transparenzbericht für das Jahr 2018. Neben einem Anstieg der behördlichen Datenanfragen geht aus dem Bericht hervor, dass die Behörden oftmals weder technisch noch juristisch auf dem Stand sind, formkorrekte Anfragen zu stellen.

Netzpolitik.org

Bei Mastodon eine kleine technische Entdeckung gemacht, die mich begeisterte. Toll, wenn man denkt ‚Das sollte doch eigentlich gehen‘, es dann probiert und es geht tatsächlich:

Und Notiz an mich: Irgendwann muss ich mich mal ausführlicher mit ProcessWire beschäftigen.

10.1.19: Feueralarm

Tage, an denen ich viel schaffe, sind beste Tage – trotz halbstündiger Unterbrechung wegen Feueralarm im Büro. Im letzten Jahr hatten wir mal binnen zwei Tagen gleich drei Fehlalarme, weshalb heute alle erstmal in Ruhe ihre Jacken angezogen, Handys eingesteckt haben etc. Anders als letztes Jahr kamen heute aber gleich mehrere Löschzüge die aber wohl nichts vorfinden konnten.

Unter anderem habe ich gleich vier alte Smartphones an Electroreturn verschickt. Nachdem ich mich damit abgefunden habe, dass ich sie nicht mehr hochfahren kann, noch auf anderem Weg an die Daten komme.

Nach über einem Jahr gibt es endlich eine neue Folge vom Das war vor Jahren-Podcast. Zwei Herren, die sich Horst E. Motor und Christian Krach nennen, zelebrieren das Nerdtum und widmen eine komplette Folge dem Star Wars-Franchise mit Fokus auf Episode 8, natürlich nicht ohne opulente Abschweifungen. Ein großer Spaß. Die Begründung für die lange Pause ist ebenso dreist wie überzeugend.

Diese Rezensionsnotiz des Romans Das Imperium der Stimme von Christopher Ruocchio liest sich ganz interessant. Daher kommt hier der mal lesen-Tag dran.

8.1.19: Fahrrad und Habeck

Selbst bei Regen und in (zu warmer) Regenhose: Ich mag die morgendlichen Radfahrten zur Arbeit, denn sie bieten Gelegenheit zu ein wenig Bewegung bei frischer Luft und Tageslicht. Am Wochenende war ich zweimal zwei kleine Runden laufen und nahm irrigerweise an, das könnte ich morgens vor der Arbeit fortsetzen. Gestern stellte ich dann das Offensichtliche fest: Es ist bis mindestens acht Uhr noch viel zu dunkel.

Und was mir auffiel: Ungewöhnlich viele Leute scheinen mit dem Rad unterwegs zu sein – im Januar, bei Regen. Radfahren findet Verbreitung und das trägt zum Sicherheitsgefühl bei, wenn man nicht einer von sehr wenigen Radfahrern im Straßenverkehr ist.


Seit gestern denke ich über Robert Habecks Entscheidung, Twitter und Facebook zu verlassen nach. Was ich interessant finde: Sein erster Ausrutscher ereignete sich kurz vor der Bayernwahl: „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern“. Konsequenzen auf das Wahlergebnis lassen sich nicht feststellen. Bündnis 90/Die Grünen haben ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt.

Wenn aber selbst eingestandene Fehler trotz der unerbittlichen Fehlerkultur gegenüber Politikern keine negativen Folgen haben: Liegt es nicht nahe anzunehmen, dass sämtliche Anstrengungen in den sozialen Medien abgesehen vom Applaus der eigenen Aktivisten und der Kritik politischer Gegner keine Konsequenzen haben? Daher glaube ich, dass Habecks Entscheidung folgenlos bleiben wird. Das Wahljahr wird für die Grünen aber ohnehin ein schwieriges.

Das Argument, er würde sich damit Debatten entziehen, geht aus meiner Sicht auch fehl. In den sozialen Medien finden keine politischen Debatten statt. Politische Debatte ohne Willensbildung – also Entscheidungen, Beschlüsse – ist sinnlos, unpolitisch. Wer Debatte will, muss derzeit noch in Parteien gehen – oder sich für funktionierende Online-Beteiligungsverfahren einsetzen (oder beides).


Ein interessanter Artikel heute von An Xiao Mina – mit vielen lesenswerten Verlinkungen: The death of consensus, not the death of truth.

The world as a whole and the West in particular is moving from a world of broadcast-based consensus to what scholar Penny Andrews has called digital dissensus

Dabei war der Dissens ja immer da; Politik beginnt überhaupt erst da, wo kein Konsens möglich ist, wo also entschieden werden muss. Digitale Medien machen den Dissens, die Uneinigkeit, die andere Seite nur sichtbar(er).

Bookmark: Circular, an open source Buffer app. Derzeit leider mit „Unknown Twitter API error“ in der gehosteten Version.