7.4.19: Zeche Hannover und Zettelkasten

Diese Fotos sind von der Zeche Hannover bzw. vom LWL Industriemuseum, welches sich dort befindet. Erneut dieses Ruhrpott-typische Nebeneinander von Industrie, Natur, Kulturlandschaft und Ortschaften. Schön.


Bei Heise unternehmen sie „erste Exkursionen“ in Luhmanns digitalisierten Zettelkasten – also den Teil, der bereits digitalisiert ist:

„Zwar ist erst ein Bruchteil der Zettel vollständig in das Portal eingepflegt, die Verfolgung der so entscheidenden Zettelverweise führt sehr bald in noch unerschlossenes Gebiet.“

Und wenn man da so einen digitalisierten Zettel zwischen all den Metadaten und Verweisangeboten sieht – das ist ganz ganz groß. Ein wunderbares Digitalisierungs-Projekt und ein Lichtblick neben all der ernüchternden Netzpolitik.

29.3.19: Dinge getan

Der Höllenstern, er brennt wieder.

Seit einer Woche sind wir nun schon so richtig in Bochum und haben das Undenkbare geschafft, nämlich diese deutlich kleinere Wohnung in kurzer Zeit wohnlich einzurichten.

Heute habe ich ein Fahrrad nach Bielefeld gebracht, einen Lyrikband aus der Stadtbücherei ausgeliehen und zum ersten Mal in diesem Jahr und überhaupt zum ersten Mal auf dem neuen Bochumer Balkon gesessen (Ausblick siehe oben).

Selten lese ich Rezensionen einer Inszenierung, die mir Lust auf das jeweilige Stück machen. Heute schon:

Andrea Breth verlässt das Burgtheater in Wien mit einer Inszenierung von Hauptmanns „Ratten“, die den Rezensenten den Angstschweiß auf die Stirn treibt.

Nachtkritikerin Gabi Hift kommt völlig zerschlagen aus der Vorstellung. Aber gesehen hat sie „einzigartige, nie dagewesene Kreaturen. Kein Klischee, nirgends. Auch keine Nachahmung echter Menschen. Was bei Andrea Breth passiert – und sie dürfte die Einzige sein, die diesen Prozess noch katalysieren kann – ist die Erschaffung von künstlichen Kreaturen aus Text und Geist und der Lebenssubstanz von Regisseurin und Schauspieler*innen.

Das Stück, Die Ratten, habe ich in der Stadtbücherei leider nicht gefunden.


Ich lese auch vom Programmprozess der Grünen und von der Losung Bündnispartei und mir fällt auf: Die einzigen Parteien, denen derzeit ein Wille zur Regierung unterstellt werden kann, sind die Union und die Grünen. Die FDP will nicht regieren, die SPD will nicht regieren, tut es aber trotzdem, bei der Linken wissen wir nicht, ob sie wollte wenn sie könnte, sie kann aber schon seit vielen Jahren nicht und die AfD würde sicher wollen, sie kann, darf und wird aber nicht.


Diese Love, Death + Robots-Sache bei Netflix ist sehr sehr gut. Wired dazu hier.

11.3.19: Zugfahrt-GAU und Ambient

Nach gut einem halben Jahr des Pendelns ist mir heute (eigentlich Samstag bei der Buchung) der denkbar blödeste GAU unterlaufen: Versehentlich hatte ich eine Fahrt in die falsche Richtung erworben, also von Berlin nach Bochum und nicht umgekehrt. Stornieren ließ sich kurzfristig in der DB-App nichts mehr, also kaufte ich die richtige Verbindung, die aber erst zwei Stunden später eine Reservierung zuließ.

Dann in einem knallvollen Zug (es gab wegen des Sturms wohl noch zahlreiche Ausfälle auf anderen Verbindungen) gesessen, der auch noch dem Nadelöhr Hamm zum Opfer fiel, wo rund 45 Minuten auf den zweiten Zugteil gewartet werden musste. Zuhause blieb dann nur Zeit für Einkaufen, Hausarbeit und wenige Umzugsvorbereitungen.


Monat für Monat kuratiert Ari Delaney die besten Ambientalben, die bei Bandcamp erschienen sind – und zwar so, dass fast immer was dabei ist. Hier der Roundup für Februar. Wie er dabei eine der für meine Begriffe unzugänglichsten Musikformen in Worte kleidet, verdient höchste Anerkennung. Aus dem schon hohen Output des Bandcamp Daily-Magazins (so nenne ich es jetzt einfach mal) die stets lesens- und hörenswerteste Rubrik.


Zuckerberg’s essay is a power grab disguised as an act of contrition. Read it carefully, and it’s impossible to escape the conclusion that if privacy is to be protected in any meaningful way, Facebook must be broken up.

Die MIT Technology Review über Zuckerbergs Privacy-Pamphlet

25.2.19: Imbiss und Züge

Mein heutiger Imbiss-Tweet ging ja regelrecht durch die Decke:

Es war aber auch wieder lecker (und mein ausdrücklicher Geburtstagsmahl-Wunsch, nicht nur, weil Montags ja alle Lokale geschlossen haben).

Ich kann mich an keinen 25. Februar oder überhaupt einen Februar erinnern, der so warm war. Früher war der Februar der Monat, in dem es endlich mal schneite.

Außerdem verbrachte ich nicht geringe Teile des Tages in der Bahn. Vormittags von Bochum nach Bünde (alles minutengenau), nachmittags von Bünde nach Berlin (40 Minuten Verspätung bei der Abfahrt, aus denen 30 Minuten bei der Ankunft wurden). Die Gelegenheit, wieder Tortoise zu hören. Tortoise!

19.2.19: Ja zum Rundfunk und seinem Beitrag

Mein aktueller Podcatcher mit den Sendungen für morgen früh

Bei ARD und ZDF weiß ich nicht, aber allein der Deutschlandfunk ist mir jeden Cent der Haushaltsabgabe wert. Morgens Hintergrund, Europa Heute und Der Tag als Podcast, danach eine gute Stunde Informationen am Morgen im linearen Hörfunk, abends wann immer Zeit ist die Informationen am Abend und wenn ich dann noch Zeit und Lust habe, probehöre ich manches Programm in der Audiothek. Das sind an jedem Werktag gute zwei Stunden Sendezeit (von denen ich einen Teil als Podcast und beschleunigt höre). Also: Jeden Cent wert.

Im übrigen finde ich es legitim, auch als Rundfunkanstalt strategisch zu kommunizieren, zumal wenn man begründet annehmen kann, dass der Gegner es auch tut – und dass es Gegner des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gibt, halte ich für unzweifelhaft. Wir sind in der Öffentlichkeit fortwährend und durch eine Vielzahl von Akteuren strategischer Kommunikation ausgesetzt (ohne es zu wissen oder zu merken): Seitens der Politik, der Wirtschaft, der Werbung, auch der Massenmedien, ganz zu schweigen von den großen digitalen Tech-Konzernen. Der Impuls, hier gleichziehen zu müssen, da man glaubt sonst ins Hintertreffen zu geraten, kann unwiderstehlich sein.

Halte ich es für erforderlich? Nein. Kann ich verstehen, wenn man glaubt das tun zu müssen? Ja. Auch, weil ich mir gut vorstellen kann, wie solche Entscheidungen zustande kommen, nämlich eher auf einem Da müsste man mal was machen-Level, wo dann eben jemand (ein Entscheider) irgendeinen Auftrag vergibt, um später darauf verweisen zu können, dass ja etwas unternommen wurde. Legitimation.

29.1.19: Fontaines D.C. und Soziologie

Endlich wieder zweite Liga: Gerade läuft das Revierderby Bochum – Duisburg. Und morgen spielt die Arminia in Dresden.


Beim Popblog empfehlen sie Fontaines D.C. Gefällt mir sehr und die bisher veröffentlichen Singles(?) wurden prompt gekauft. Das Debütalbum soll im April erscheinen.

Seit Tagen (Wochen?) grübele ich über diesen Text über soziale Medien und Politik, schreibe Notizen und Entwürfe und habe mir sogar diesen soziologischen Text von zweien meiner Dozenten an der Uni Bielefeld rausgesucht, um ihn nochmal zu lesen. Auch Stefan Schulz‘ jüngste Talkradio-Episode passt zum Thema. Macht Spaß, wenn auch bald mal etwas dabei rauskommt.

23.1.19: Epiktet und Yello

Weil es hier dringend anempfohlen wurde, habe ich mir das Büchlein von Epiktet wieder rausgesucht, das auf deutsch den merkwürdigen Titel Handbüchlein der Moral trägt. Der hat mich bislang stets von der Lektüre abgehalten. Auf englisch heißt es offenbar The Manual. Das hat mal was:

The Manual is the double espresso of stoicism.

Außerdem heute viel über Musik gelesen; James Blake, Die Türen und – für mich neu und nicht schlecht – Klaus Johann Grobe. Die kommen aus der Schweiz und ich wurde gewahr, dass ich noch nie Musik aus der Schweiz besessen habe. Bewusst kenne ich nur Yello und musste mir sofort The Race anhören, weil es so gut ist:

Bei Minusgraden friert mir immer die Gangschaltung am Fahrrad ein, so dass ich es lediglich bis zum S-Bahnhof schaffe. Also besitze ich derzeit mal wieder eine Monatskarte und nehme am öffentlichen Personennahverkehr teil. Nach wie vor eine eher freudlose Erfahrung.

write.as: Vom Schreiben

Ein schöner Text über das Schreiben, gefunden auf einem write.as-Blog nämlich dem eines gewissen Count Fenrig:

What finally clicked and allowed me to move forward, at least so far, was surprisingly simple: I had to find ways to allow myself to be terrible.

Und:

Ultimately the magic bullet for me to start writing for real is to realize that no matter what I do, someone will dislike it.

write.as versteht sich als eine Indieweb/Fediverse-Alternative zu Medium. Ich habe einfach mal den Full Feed aller write.as-Blogs abonniert. Noch nicht zuviel und jede Menge neuer, oft interessanter Content von mir unbekannten, oft anonymen Leuten.

16.1.19: Grünkohl und „Titans“

Heute nahm ich an Arbeitskreissitzungen im Haus der Wirtschaft in West-Berlin teil. 70er-Jahre-Bausubstanz am Ernst-Reuter-Platz kaum zehn Minuten von meinem Noch-Wohnort entfernt.

Die Mittagspause verbrachten wir in der Kantine der nahegelegenen Bundesbank (wo ich vor rund vier Jahren ein gefühltes Kilo Kleinstgeld in Scheine wechselte) und wo ich – das ist tatsächlich etwas besonderes – Grünkohl aß. Nicht so gut wie selbstgemacht, was gut ist, weil es heißt, dass der selbstgemachte gut ist.

Danach fuhr ich dann noch ins Büro und fand zwei schreckenserregende Mails im Postfach vor, die mich aber erstaunlich unaufgeregt zurückließen. Anschließend erledigte ich noch ein paar wichtige Sachen mit dem Chef, damit sie morgen bereits erledigt sind. Gut.

Und eben schaute ich die erste Folge von Titans bei Netflix. DC will jetzt offenbar auch „grittty“ Serien wie Daredevil, Jessica Jones etc. Aber ich fands nicht schlecht. Abgesehen von Dick „Robin“ Grayson weiß ich nicht, wer die Leute sind, was es eher noch interessanter macht. Von DC habe ich nur wenig gelesen und wenn dann Batman.

13.1.19: Oum Kalthoum und Talk Talk

Samstag waren wir zum ersten Mal im Bochumer Schauspielhaus, allerdings nicht zu einem Stück, sondern in den Kammerspielen zu einem Konzert arabischer Musik:

Die ägyptische Sängerin Oum Kalthoum gilt bis heute als eine der einflussreichsten Musikerinnen der arabischen Welt des 20. Jahrhunderts. Mit ihren Improvisationen versetzte sie ihr Publikum in eine Mischung aus Ekstase und Trance. DIVA – Celebrating Oum Kalthoum ist eine Ode an das Erbe der legendären Sängerin. Der Regisseur Ariel Efraim Ashbel feiert Oum Kalthoum in einem Performance-Konzert mit dem internationalen NRWedding Orchestra for Middle Eastern Music.

Schauspielhaus Bochum

Auch wenn uns die Musik nicht so sehr zusagte: Den Musikern des zwanzigköpfigen Ensembles zuzuschauen machte großen Spaß.


Bei Pitchfork rezensieren sie den Klassiker Spirit of Eden von Talk Talk und vergeben – natürlich – die Höchstwertung. Guter Anlass, mir die Platte für die heutige Heimfahrt rauszulegen (= von der Diskstation aufs Mobiltelefon runterzuladen).

Legend holds that when the A&R man at EMI heard it, it brought him to tears—not just because of its tidal beauty, but because he knew it wasn’t going to sell. A hugely successful UK band turned their sound inside out and delivered this whisper of a record, some slow, faint echo of their former synth-pop heartbeat.


Stellen wir uns einmal vor, der Mann, der im Ruhrgebiet mit seinem Auto in die Menge raste und dabei sechs Menschen schwer verletzte, wäre ein syrischer Flüchtling gewesen.

Michael Spreng