Isaac Asimov – Das Foundation-Projekt (Band 5)

Asimovs Foundation-Bücher erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit unter Science Fiction-LeserInnen. Schon als ich vor einigen Jahren einen Ausschnitt des unerhört langen Zyklus gelesen habe, war mir nicht klar warum das so ist. Die Schreibe hebt sich kaum vom Groschenroman-Niveau ab, die Science Fiction ist nicht mehr als ein Hintergrundsetting (was nicht schlimm sein muss, siehe Ursula Le Guin) und die Kernidee der Psychohistorik, einer Art Sozialmathematik, mit der sich die Zukunft von Gesellschaften vorhersagen lässt, fand ich nur mäßig interessant.

In der Stadtbücherei fand ich einige Bände des Zyklus und habe mit Band 5 den ältesten ausgeliehen, der – so scheint mir – unmittelbar vor dem Teil spielt, den ich früher schon gelesen habe. Im Mittelpunkt steht Hari Seldon, Erfinder der Psychohistorik und sein Ringen um deren Vollendung. Dafür muss er Attentatsversuche abwehren, um politische und finanzielle Untertützung werben und selbst ein politisches Amt bekleiden. Das liest sich auch alles so banal wie es klingt. Es geht mitunter um Schnauzbärte, Limonade, Geburtstagsfeiern und die Logistik beim Bezug von Laborräumen. Dennoch habe ich die fast 500 Seiten zügig gelesen. Irgendwas ist schon dran am Foundation-Zyklus.

Gregor Maurach – Seneca, Leben und Werk

Entliehen aus der Stadtbücherei Bochum. Eine umfassende Einführung in die nur lückenhaft bekannte Biografie eines der großen Stoiker der Antike. Den größten Teil widmet Maurach aber Philosophie und Texten Senecas – natürlich auch jenen, die man nicht kennt, wenn man sich vorwiegend für die stoischen Schriften interessiert und schon deshalb lohnenswert.

Nicht immer leicht lesbar aufgrund der zahllosen in den Fließtext eingeklammerten Anmerkungen und Verweise, aber locker genug geschrieben, um die rund 240 Seiten schnell wegzulesen.

China Miéville: Der Weber

Die Fortsetzung von Die Falter – und nicht ganz so gut. Der Weber konzentriert stärker auf wenige Protagonisten, liefert weniger Perspektiven auf die Stadt New Crobuzon und ihre Welt und lässt ausnahmslos alle Personen moralisch äußerst fragwürdige Entscheidungen treffen – was sie wissen und worunter sie leiden, körperlich wie seelisch – letztlich mündet alles in eine große Katastrophe.

Moral und Recht sind dann auch die Grundfragen, die die Geschichte sich am Schluss plötzlich zu verhandeln entscheidet. Das wirkt etwas arg angeflanscht und ist vermutlich der Hauptgrund, weshalb Miéville seit jeher im Ruf steht, ein politischer Fantastik-Autor zu sein.

Nichtsdestotrotz ist diese Geschichte die beste, die ich von ihm kenne. Völlig unbekümmert greift er sämtliche Punk-Varianten (ob Cyber, Steam oder Diesel) auf, verwirkt sie mit Magie und erschafft mit New Crobuzon eine lebendige und faszinierende Megalopolis.

Stephan Schuhmacher – Zen

Entliehen aus der Stadtbücherei Bochum. Mein – mildes – Interesse an Zen begann mit der Lektüre der John Cage-Biographie im letzten Jahr.

Seitdem habe ich fast nur Bücher gefunden, die Zen auf Esoterik, Lotusblüten auf dem Titel und Seelenheilsversprechen beschränken. Schuhmacher stellt Zen hingegen als anspruchsvolle Philosophie und Lehre vor – zumal für den Westen, der soviel Wert auf Individualität und das Selbst legt.

China Miéville: Die Falter

Der erste von zwei Bänden von Miévilles Geschichte aus der Fantasy-Metropole New Crobuzon und ein weiteres Buch nach Hyperion/Endymion, das ich seit über zehn Jahren nicht mehr gelesen habe – von dem mir aber überraschend viele Szenen und Schilderungen im Gedächtnis geblieben sind. Es ist einfach bis heute sehr gut (und sehr gut übersetzt). Eine umfangereichere Besprechung liefere ich nach, wenn ich den Nachfolgeband Der Weber gelesen habe.

Dan Simmons – Endymion

Die Fortsetzung von Hyperion und mit 1.300 Seiten erneut ein ziemlicher Brocken. Während Hyperion bei der letzten Lektüre ziemlich gelitten hat, war Endymion so, wie ich es in Erinnerung hatte: Ein nahezu perfekter Abenteuer-Roman im Science Fiction-Gewand. Simmons schreibt hier einfach spannend und das macht auch beim erneuter Lektüre noch Spaß. Die katholische Kirche inklusive Papst, Kardinälen, Schweizer Garde und allem ornamentalen Beiwerk zu einem interstellaren Imperium auszubauen – natürlich als Antagonist – klingt wahnsinnig, funktioniert aber ausgezeichnet. Kapitel aus dieser Perspektive waren mir oft die liebsten; etwa so unterhaltsam wie Vader und der Imperator in Star Wars.

Frank Stauss: Höllenritt Wahlkampf

Frank Stauss ist ist ein gewiefter Wahlkämpfer der Agentur Butter, der zahlreiche Wahlkämpfe für die SPD geführt hat. In Höllenritt Wahlkampf schildert er einige der eindrucksvollsten Kampagnen seiner Karriere.

Interessant war das vor allem bei den Wahlen, die ich als Sozialdemokrat und Wahlkämpfer mehr oder weniger aktiv miterlebt habe. Etwa die vorgezogenen Neuwahlen von 2005, bei denen ich, wenige Monate zuvor noch Praktikant in der Kreisgeschäftsstelle, im Wahlkampfteam des örtlichen Bundestagsabgeordneten mitgearbeitet habe.

Oder die Berliner Abgeordnetenhauswahl von 2011, in der ich so intensiv wie nie zuvor und danach nie wieder, den Kandidaten unterstützt habe.

Oder die desaströse Wahl von 2009, in der ich hauptamtlicher Mitarbeiter in der Parteizentrale – dem Willy Brandt Haus – war.

Stauss kann von berufs wegen sehr sehr gut schreiben, schildert Wahlkämpfe so spannend, wie sie mindestens für die Mitwirkenden sind und liefert viele Einblicke in Kampagne, Planung, KandidatInnen und Themensetzung.

Am eindrucksvollsten fand ich das abschließende Kapitel, das er dem aufkeimenden Populismus widmet. Seine Analyse ist – wiederum seiner Profession geschuldet – messerscharf. Seine Schlussfolgerungen können heute zwar als bekannt vorausgesetzt werden, aber er schreibt sie so prägnant nieder, wie ich sie selten vorfinde. Ein Kapitel, welches man im Grunde monatlich immer wieder lesen sollte.

Gelesen: Dan Simmons – Die Hyperion-Gesänge

Gute zehn Jahre seit der letzten Lektüre habe ich mal wieder zu Simmons‘ Hyperion-Saga gegriffen. Immer noch gut, aber auch nicht mehr so gut wie ich es früher fand. Zu sehr schreibt Simmons im ersten Teil für den Schauwert, ohne dass ihm im zweiten Teil gelingt, alles schlüssig zusammenzuführen. Zumindest beschleicht mich dieser Eindruck, wenn ich mich frage, warum einzelne Protagonisten eigentlich vorkommen bzw. was für einen Unterschied es gemacht hätte, hätte man sie gestrichen.

Sei es drum, immer noch eine hervorragende, zitatfreudige (W. Gibson!) Space Opera- mit einer tollen Forsetzung, die ich gerade lese.

Gelesen: Dirk Baecker – 4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt

Dirk Baecker aktualisiert seine Thesen zur nächsten Gesellschaft in der zugänglichsten Form, die mir bislang untergekommen ist. Über 26 Thesen hinweg untersucht Baecker verschiedene Einrichtungen und Formen der Gesellschaft, über ihre Strukturform (das Netzwerk), ihre Kulturform (die Komplexität), diverse Funktionssysteme wie Politik und Wirtschaft bis hin zu eher speziellen Formen wie dem Sport, der Gesundheit und dem Witz.

Dabei werden stets die vier großen Medienepochen der Sprache (in der Stammesgesellschaft), der Schrift (in der Antike), des Buchdrucks (moderne Gesellschaft) und der digitalen Medien (die nächste Gesellschaft) miteinander verglichen. Hier von einer soziologischen Vogelperspektive zu sprechen, ist schon fast eine Untertreibung. Orbital wäre angemessener.

Baecker lässt aber keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass es sich um Thesen handelt. Auch als Leser denkt man durchweg ‚Könnte sein, muss aber nicht‘. Der zugrundelegende Gedanke, dass Netzwerke zunehmend Funktionssysteme als gesellschaftsprägende Strukturen ablösen, hat aber seinen Reiz. Erst heute kam mir der Gedanke, wie ungewöhnlich zum Beispiel der Wiedereintritt von Friedrich Merz in die höchste Ebene der Politik nach einem Jahrzehnt ist. Gut erklärbar ist er hingegen durch die Stabilität von Netzwerken wie dem des „Andenpakts“ und persönlicher Beziehungen zu Personen wie Schäuble, Oettinger etc.