John Scalzi – The Ghost Brigades

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Die Fortsetzung von Old Man’s War und als solche wieder milde unterhaltsam. Gut: Weniger albern, andere Protagonisten, die Welt wird einen Spalt breit geöffnet und die Rolle der Menschheit hinterfragt.

Blöd: Schon wieder Bootcamp und militärische Ausbildung, nur diesmal noch härter, denn es geht um die überlegenen Special Forces (Augenroll-GIF). Außerdem wird die Idee, Persönlichkeiten von Mensch zu digitaler Storage zu Mensch übertragen zu können, arg übertrapaziert – und mündet in universe in Entscheidungen, die, wenn man drüber nachdenkt, als sehr riskant gelten müssten.

Aber ist ja auch egal, da ohnehin alles Quatsch: Unter’m Strich hat das Buch Spaß gemacht. Dass ich sofort die Fortsetzung lese, glaube ich aber nicht.

Stefan Zweig – Die Welt von gestern

Erinnerungen eines Europäers lautet der Untertitel dieses autobiographischen Buches.

Von Stefan Zweig las ich bereits die biographischen Romane über Montaigne, Magellan und Fouché mit wachsender Freude an seinem etwas schwelgerischen, ausladenden Stil, den ich zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig fand.

Seine Kindheit und Jugend im Wien der habsburger Zeit wird in einem Ausmaß als wunderbar und sorglos beschrieben, für die ich am liebsten das Wort bullerbüesk prägen würde.

Diesem Stil bleibt Zweig in Die Welt von gestern treu. Seine Kindheit und Jugend im Wien der habsburger Zeit wird in einem Ausmaß als wunderbar und sorglos beschrieben, für die ich am liebsten das Wort bullerbüesk prägen würde. Mit traumwandlerischer Leichtigkeit fndet er zu Lyrik und Schriftstellerei und bahnt mühelos Kontakt zu berühmten Zeitgenossen in ganz Europa an.

Gewollter Kontrast

Das wirkt mitunter arg verklärend, was vielleicht auch als gewollter Kontrast zu der Zeit ab 1914 gedacht ist. Zweig blieb das Soldatentum erspart, aber seine Schilderungen dieser Zeit, ihrer Kultur und Politik sind umso erhellender – gleiches gilt für die Zwischenkriegszeit und den aufkommenden Faschismus.

Es sind oft kleine Anekdoten und scheinbar randständige Vorkommnisse, denen Zweig Raum gewährt, stets erklärend, dass er diesen besondere Bedeutung beimisst, weil sie langsame und langfristige Prozesse und Veränderungen markieren.

Einmal mehr ein ausgezeichnetes Buch. Stefan Zweig avanciert zu einem meiner Lieblingsautoren.

John Scalzi – Old Man’s War

Nachdem zu lesen war, dass Old Man‘s War eine Serie sei, die zudem lesenswert ist, notierte ich mir die erneute Lektüre, des ersten Bandes, den ich 2015 als eBook gekauft und sehr wahrscheinlich dann auch gelesen habe.

Erst als ich mir das Buch aus dem Kindle-Archiv fischte, realisierte ich, dass ich es im Kopf mit The Forever War von Joe Haldeman verwechselte, einer anderen Military SF-Geschichte. Das lese ich später einfach auch nochmal.

Old Man’s War bedient das Boot Camp-Setting, bekannt aus Filmen wie Full Metal Jacket, einschließlich „training The Spartan Way, plenty of Physical Fitness Punishment, the obligatory Drill Sergeant Nasty“. Das Gimmick steckt im Titel: Die Rekruten sind alte Menschen um die 75, die in junge Körper versetzt werden, um für die Colonial Defense Forces der Menschheit gegen etliche martialische Alienvölker zu kämpfen.

Warum das so ist, wird eher unbefriedigend erklärt. Gesorgt ist immerhin für Comic Relief während der Ausbildung und unser Protagonist erhält jede Menge Vergangenheit, die dann im letzten Drittel des Buches relevant wird.

“No one likes an overachiever, Captain”

Mein Problem mit Military-Stoffen ist stets dies: Wer im hochtechnisierten Krieg überlebt, hat meiner Überzeugung nach vor allem Glück. Ein Glückspilz ist aber ein langweiliger Protagonist. Also muss unser Held eben doch ständig alles besonders gut und besser als alle anderen können – ein richtiger Streber also.

Aber: Flott und spaßig geschrieben ist das Buch allemal und als nächstes gebe ich mir die Fortsetzung.

Yuval Noah Harari – Sapiens

Das habe ich auch schon mal gelesen, mit wenig Erinnerung daran. Am meisten interessiert mich die menschliche Frühgeschichte, die aber kaum mehr als die erste Hälfte des Buches ausmacht.

Die Leistung Hararis, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Kulturwissenschaft und noch ein geschätztes halbes Dutzend weiterer Wissenschaften in eine kurze Geschichte der Menschheit zu rühren, ist zweifellos beachtlich. Es liest sich halt nur wie ein Kinder- oder Jugendbuch – was auch diesem spezifischen Sachbuchstil geschuldet ist. Mein zwölfjähriges Ich hätte zwar nicht alles verstanden, wäre von Sapiens aber restlos begeistert gewesen.

Meinen Plan, dieses Buch nochmal und im Anschluss dann Homo Deus zu lesen, habe ich damit erstmal verworfen.

Alice Hasters: Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

Ein Buch, das ich schon längst hätte lesen sollen und nicht erst, nachdem gewisse Komödianten ihm zu Reichweite verhalfen. Gerade für Leute, die glauben, schon alles zu wissen und vieles richtig zu machen (ja, wie mich) eine dringend notwendige Kopfwäsche. Alltagsnah, schmerzhaft und viele ungeahnte Facetten über deutsche Kolonialgeschichte, Partnerschaft bis hin zu Sport beleuchtend/vertiefend. Außerdem mit einer exzellenten Literaturliste am Schluss.

NSU-Watch: Aufklären und Einmischen

Dieses Buch erhielt ich, weil ich Jahre zuvor an einem Crowdfunding oder einer ähnlichen Finanzierungsform des Projektes NSU-Watch teilgenommen habe.

Zum NSU habe ich schon einiges gelesen, unter anderem „Heimatschutz“ von Stefan Aust und Dirk Laabs. Die von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichten Prozessprotokolle habe ich ebenfalls im Schrank stehen – das Format ist aber überaus sperrig.

Aufklären und Einmischen stellt ergänzend dazu einen hervorragenden Überblick über den Prozess dar und erklärt im Rahmen des wohl Möglichen, wie dieser zu einem Urteil führte, bei dem Neonazis im Zuschauerraum begeistert klatschten.

Kapitelweise widmet sich das Buch der so wichtigen Nebenklage von Angehörigen der Opfer und Überlebenden, den Angeklagten, der Bundesanwaltschaft, Zeuginnen und Zeugen sowie der Rolle der Öffentlichkeit.

Eine unbedingte Leseempfehlung, um an die Dringlichkeit des Widerstandes gegen den Terror von Rechts erinnert zu werden.