Portals: Energostatic (For Ukraine)

Ein Sampler des Netlabels Energostatic, Erlöse gehen zugunsten von Save The Children „and their specific activities supporting Ukraine at this time“. Die Hintergründe sowie die auf der Kompilation vertretenen Künstler werden hier vorgestellt.

A big thank you to label owner Marian for allowing this project to happen as he deals with life in Kyiv right now, the artists for their participation, and Rafael Anton Irisarri for kindly providing his mastering services.

Der Sampler kann auf Bandcamp gehört und per Name your Price erworben werden.

Louis-Ferdinand Céline – Reise ans Ende der Nacht

Hinrich Schmidt-Henkel leitet sein Essay zur Übersetzung dieses Buches (übrigens hochinteressant) so ein:

Louis-Ferdinand Céline zwingt jeden Leser in die paradoxe Urteilsspannung zwischen Bewunderung für den Stilisten, den Revolutionär der Literatur, und Erschrecken über die blindwütige, menschenverachtende Hetze, deren er fähig war.

Ich habe schon mehrmals vergeblich versucht, die Reise ans Ende der Nacht zuende zu lesen. Erst mit diesem, dritten, Versuch ist es gelungen. Nicht nur wegen der menschenverachtenden Hetze. Es gibt auch darin Passagen, die gerade wegen ihres Weltekels lesenswert sind. Aber das Buch ist vor allem in seiner zweiten Hälfte mitunter auch einfach langweilig; mit dem wirklich umwerfenden Abschluss dann wieder lohnenswert, aber eben zäh.

Wäre „Cancel Culture“ real, könnte sie sich an Céline regelrecht abarbeiten; sicherlich tun das auch einzelne. Ich schätze dazu die Haltung von Philip Roth:

Um die Wahrheit zu sagen: Mein Proust in Frankreich, das ist Céline! Er ist wirklich ein sehr großer Schriftsteller. Auch wenn sein Antisemitismus ihn zu einer widerwärtigen, unterträglichen Gestalt macht. Um ihn zu lesen, muss ich mein jüdisches Bewusstsein abschalten, aber das tue ich, denn der Antisemitismus ist nicht der Kern seiner Romane. (…) Céline ist ein großer Befreier.

Zitiert nach Hinrich Schmidt-Henkel.

Iain M. Banks – Look to Windward

Der beste Culture-Band? Sehr gut möglich; aber eigentlich ist ja jeder Culture-Band, den man gerade liest oder gelesen hat, der beste.

Look to Windward gelingt es, zugleich die unermesslichen Kosten des Krieges und die utopische Gesellschaft der Culture zu beschreiben. Oft humorvoll, mitunter das Horror-Genre streifend und wie immer bei Banks verfasst in einer genre-untypischen literarischen Qualität.

Ulf Erdmann Ziegler – Eine andere Epoche

Die Rezensionsnotizen zu diesem Buch waren ja geradezu hymnisch. Ich fand es interessant, aber nun auch nicht überragend. Es bewegt sich, was den politischen Realismus der Arbeit im Bundestag betrifft, in einem merkwürdigen Uncanny Valley: Die Geschichte ist so nah dran an dem wahren Ereignisgeflecht aus NSU, Untersuchungsausschuss, Christian Wulff, Sebastian Edathy und Michael Hartmann, dass die Feinheiten sie noch mehr ins Fiktive, teils Absurde rücken. Im Büro des Ausschussvorsitzenden scheint nie richtig gearbeitet zu werden. Termindruck, Hetzerei, Berge an Drucksachen gibt es dort nicht. Die Gespräche, die geführt werden, klingen mitunter vollkommen irreal. Außerdem – eine Kleinigkeit, die mich aber oft aus der Lektüre herausriss – haben etliche Figuren wirklich seltsame Namen.

Ian M. Banks – Inversions

Inversions ist wenig wie die Star Trek-Episoden, bei denen sich Crewmitglieder unter die Bevölkerung eines weniger weit entwickelten Planeten mischen – hier erzählt aus Sicht dieser Bevölkerung. Oder auch wie die Garfield minus Garfield Comics.

Es ist den Fähigkeiten von Ian Banks zu verdanken, dass sich dieser Roman, in dem die utopische Scifi-Gesellschaft Culture lediglich in wenigen Andeutungen vorkommt, dennoch so gut liest. Im Grunde ein Historienroman in einer alternativen frühen Neuzeit, mit exzellent geschriebenen Figuren.

Zugegebenermaßen blieb ich als Leser auch deshalb am Ball, weil ich einen Showdown erwartete, in dem die Culture-Agenten sich offenbaren müssen. Den gibt es auch, allerdings inkonsquenter als erhofft. Auch bleiben die beiden Erzählstränge weitgehend unabhängig voneinander; das führte zu milder Enttäuschung meinerseits.