Kevin Roose – Futurepeoof

9 rules for humans in the age of automation lautet der vollständige Titel dieses Büchleins des NYT-Journalisten Kevin Roose.

Geschrieben ist es in diesem schmissigen, niemals anstrengenden Stil amerikanischer Sachbücher, in denen jedes Kapitel durch eine Anekdote, ein Schicksal gerahmt werden muss.

Die 9 Regeln streifen den Self Help-Duktus, ohne dabei vollkommen unbrauchbar zu sein. Die Rolle des Konsequentialisten könnte mir gefallen.

Fazit: spannend und ein wenig hilfreich. Könnte kürzer sein, aber dann wäre es wahrscheinlich aus Verlagssicht zu kurz.

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Judith Shklar – Über Ungerechtigkeit

Noch ein Buch, das ich mir von der Unibibliothek Hagen habe schicken lassen. Von Shklar hörte ich erstmals in einem Radiobeitrag, natürlich habe ich vergessen welchem; danach fiel mir ihr Name häufig in den Fußnoten und Zitationen diverser Bücher auf, die ich las.

Die liberale Theoretikerin entwirft eine eigene Perspektive auf Ungerechtigkeit, in der diese mehr ist als nur der Gegenpol von Gerechtigkeit. Ungerechtigkeit gibt es auch in Ordnungen, die sich für gerecht halten.

Zudem unterscheidet sie die Unterscheidung von Unglück und Ungerechtigkeit. Was einst Unglück war, das einem eben widerfährt, kann auch Ungerechtigkeit sein oder werden, die es zu beseitigen gilt. Diese Prozesse vollziehen sich natürlich nicht ordentlich und reibungslos. So ist Über Ungerechtigkeit auch eine geeignete Folie, um aktuelle Debatten zu beobachten.

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Kathrin Passig – Je Türenknall desto Wiederkomm

Alle Kolumnen von Kathrin Passig aus dem Jahr 2020: Es geht um Technik, Technologie, Gesellschaft und angenehm weit im Hintergrund spielt natürlich auch die Pandemie eine Rolle – dazu etwas, was bessere Rezensenten als ich sicher als ‚feinsinnigen Humor‘ oder ‚hintergründig‘ bezeichnen würden. Kurz: Die Lektüre bereitete mir Vergnügen.

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Sartori | Haard | Brazil

Fertig gelesen habe ich den Band Demokratietheorie von Giovanni Sartori. Das Buch habe ich mir von der Universitätsbibliothek der Fernuni Hagen schicken lassen, um das auszuprobieren. Der Zugriff auf Demokratie ist eher philosophischer Art und keine empirische Systematisierung. Von sowas hält Sartori (sympathischerweise) recht wenig.

Lästig nur, dass ich das Buch nun auch wieder zurückschicken muss.

Das Wanderjahr eröffneten wir heute mit passablen 12km in der Haard. Das war gut:

Und das hier ist ganz erstaunlich – via hmbl.blog:

Den Film Brazil kenne ich noch nicht. Auf Amazon gibt es ihn nur mit deutscher Tonspur. Seit gestern kann man ihn aber endlich auf Mubi im Original gucken und das könnte hier heute abend geschehen.

Iain M. Banks – The State Of The Art

Achja, diese Sammlung an Kurzgeschichten von Banks habe ich gelesen. Es gibt darunter einige, die in der Culture spielen, eine sogar, in welcher die Culture die Erde besucht. Unter dem Strich ist Iain Banks für mich als Long Form-Autor besser – ausgerechnet in einem Genre, in dem ich eigentlich bevorzugt Kurzgeschichten lese.

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Max Brooks – Devolution

Bigfoot-Horror des World War Z-Autoren Max Brooks, mit satirischen Einsprengseln über die volldigitalisierte Nachhaltigkeitsgesellschaft. Ein durchaus unterhaltsames Buch, wenn man sich denn auf die Möglichkeit von menschenfressenden Riesenaffen in Nordamerika einlässt. Empfohlen einmal mehr von der Rundschau und auch in ihrer Jahresbestenliste 2020.

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Ben Smith – Doggerland

Vielleicht lag es an dem vielen nautisch-maritimen Vokabular, dass ich Doggerland nicht so richtig schätzen konnte. Es passiert allerdings auch nicht besonders viel – der Roman plätschert buchstäblich dahin, wie es Josefson beim Standard treffend ausdrückte.

Interessant ist einmal mehr das Setting, das wie auch schon The Last Day und The Wall vage in ein postapokalyptisches und/oder autoritäres Großbritannien eingebettet ist. Doggerland verrät aber nur äußerst wenig über seine sozialen, politischen Hintergründe. Es bleibt ein Kammerstück, das in einem Windpark spielt.

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Susanna Clarke – Piranesi

Piranesi bewohnt ein offenbar unendlich großes Gebäude, das aus nichts als Sälen besteht, die mit unzähligen Statuen möbliert sind. Im Untergeschoss tost die See. Piranesi erforscht das Gebäude, ernährt sich von dem, was das Meer bietet und trifft alle paar Tage den mysteriösen Anderen.

Wie Susanna Clarke aus dieser Grundidee eine ruhige, spannende, faszinierende und berührend erzählte Geschichte entwickelt, ist höchst bemerkenswert.

Für Bücher wie dieses schaue ich regelmäßig in die SF-Rezensionen beim Standard. Hier geht es zur vollständigen Review von Piranesi.

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Alexander Weinstein – Universal Love

Nach der Lektüre von Wool gelüstete mich nach Kurzgeschichten und prompt sprang mich in der Vorstellung der besten Science-Fiction-Bücher des Jahres bei Der Standard diese Sammlung von elf Geschichten an.

Als „das Beste, was man an SF-Kurzgeschichten bekommen kann, wenn nicht gerade mal wieder Ted Chiang etwas Neues veröffentlicht“ wurde der Band dort angepriesen und – sorry – aber das geht etwas zu weit. Stilistisch ist Weinstein in der Tat nah an Chiang und dessen oft distanziert berichtendem, fast journalistischem Stil. Aber dieser Stil ist ja nicht die eigentliche Stärke von Chiang, sondern wird durch bahnbrechend gute Ideen aufgewogen.

Weinstein interessiert sich für die Wechselwirkungen von Technologie und Beziehungen. Da werden aus den Social Media-Archiven von Verstorbenen Avatare errechnet, die diese überzeugend weiterleben lassen. Kinder entgleiten ihren Eltern, nachdem sie Implantate erhalten haben, mit denen sie online gehen. Gamer steuern in einer Ender’s Game meets Drohnenkrieg-Variation echte Kampfmaschinen.

Man merkt: Weinstein blickt skeptisch, warnend-konservativ auf Digitalisierung, Vernetzung und Social Media. Das finde ich inzwischen aber zu erwartbar und langweilig, weil es sich bezogen auf Gegenwart und nahe Zukunft mit meinen Einschätzungen und Erwartungen deckt, für die fernere Zukunft aber wiederum nicht meinen Erwartungen entspricht.

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Hugh Howey – Wool

Ich muss mir einfach mal merken, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach einen Grund gegeben hat, wenn ich eine Reihe nicht weiterlas.

Wool (oder Silo) begann mit einer hervorragenden Kurzgeschichte in einem mysteriösen postapokalyptischen Setting, das in den Fortsetzungen (wir befinden uns immer noch in dem Teil, der Wool heißt) dann ziemlich plattgewalzt wurde.

Die Fortsetzungen der Fortsetzung (namens Shift und Dust) werde ich mir daher erneut nicht geben. So immens kann der Payoff der schon weitgehend aufgeklärten Mystery gar nicht sein. Lieber lese ich wieder mehr Kurzgeschichten.

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