The Notwist – Vertigo Days

Wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, habe ich mir 2002 Neon Golden via Filesharing beschafft, es mir keine zwei Male angehört und bin in den Bus gestiegen, um mir bei Ween in Bielefeld die Schallplatte zu kaufen. Wie ich gerade beim googlen feststelle, hat Ween für immer geschlossen. Hier ein Beitrag des Lokalfernsehens zu dem Laden:

Seitdem habe ich The Notwist komplett aus den Augen verloren. Neulich hörte ich von dem Neon Golden-Effekt, der beschreibt, wie ein Album international hervorragende Reviews, aber im Verhältnis wenige Abverkäufe erzielt. An mir lag’s nicht!

Das neue Notwist-Album jedenfalls, Vertigo Days, ist sehr sehr gut. So gut, dass ich erneut „zum Vinyl griff“, jedoch nicht in einem Laden (wie auch?), sondern als meine ersten physische Bestellung bei Bandcamp! Den digitalen Download gibt’s natürlich obendrein.

Norah Lorway – Future Void

Future Void von Norah Lorway wird mit der Option Name Your Price bei Bandcamp angeboten. Ich zahlte 4$, das schien mir für ein vier Titel umfassendes Album angemessen.

Das Album ist einer von drei Funden der Liste The Best Experimental Music on Bandcamp: October 2020. Von der Künstlerin habe ich zuvor nie gehört. Wer ist Norah Lorway? Bei Twitter firmiert sie unter @norahlorway. Ihr Profil auf Bandcamp gibt folgende Informationen:

Dr. Norah Lorway originally hails from Vancouver, British Columbia. She now lives in Cornwall, United Kingdom, where she is a lecturer and researcher at Falmouth University, as well as a software creator, artificial intelligence explorer, and curator of the digital music label Xylem Records.

Musikalisch trifft dieses Album genau meinen Geschmack, wenn es um Ambient geht: Drones, Rauschen und verhuschte Klänge, keinerlei Anmutung von echten Musikinstrumenten oder gar Stimmen. Die Stücke sind zwischen drei und acht Minuten lang. Gefühlt könnten sie noch viel länger so weitergehen, aber ich weiß auch, dass ich solche Zwanzigminüter nahezu nie höre. Auch Ambient ist dann gut, wenn man das Stück direkt nochmal hören will.

Monoton ist diese Musik überhaupt nicht. End Meet verwandelt sich im zweiten Drittel zu einem hochtönigen leicht metallisch anmutenden Rauschen, wie Wind in Stollen oder Gewölben.

On „Future Void“, Norah uses live-coding environments and programming languages to create an otherworldly sonic palette„, heißt es weiter auf Bandcamp. Das würde ich auch gern können. Bei mir reicht es nur für den dilettantischen Lärm mit Jeskola Buzz. Aber Hauptsache es macht Spaß.

Der letzte Titel, Always (Edit), ist zugleich das längste Stück des Albums. Der dominierende Klang changiert zwischen Wind und Chor. Auch hier: Reich an Dynamik und Vielfalt. Nach wenig mehr als zwanzig Minuten ist der erste Hördurchgang vorbei und der erste Eindruck könnte kaum besser sein. Empfehlenswerte Musik, auch für alle, die bislang mit Ambient oder abseitigen Klängen selten in Berührung kamen,

Gidge – New Light

Gidge haben 2017 mit LNLNN ein Album veröffentlicht, das ich ohne zu Zögern in meine Top5 des letzten Jahrzehnts einreihen würde. Am 6. November erscheint nun endlich ein Nachfolger, den man bereits vorbestellen kann. Den Titeltrack New Light höre ich mir dann gleich erstmals an.

Nation of Language – Introduction, Presence & Gouge Away

Postpunk, wohl sogar stilecht aus Brooklyn, mit Synths, die exakt so klingen, wie sie müssen. Vielleicht die Entdeckung dieses Jahres – gefunden wie so oft bei Monarchie und Alltag. Natürlich gekauft bei Bandcamp.

Und ich habe selten etwas für Coverversionen übrig, aber was die Band hier aus Gouge Away von den Pixies macht, sucht seinesgleichen. Habe ich für einen Dollar noch obendrauf gelegt:

Various Artists – Solitary Hymns

Gefunden beim Ambientblog, natürlich gekauft bei Bandcamp.

Each artist on this compilation come from a different part of the globe. Some of the works are created during the initial lockdown period, but some other titles are previously unreleased recordings.

Musik gekauft: Jisei von Vittorio Guindani

Ein nach dem ersten Hördurchgang ein sehr Zen-artiges Album, welches Kopfhörer oder zumindest Ruhe erfordert:

Vittoria Guindani is an Italian ‘non-musician’ “interested in silence, soundscape and small sounds, which he creates with objects, loops and anything endowed with its own dust.”

Der Ambientblog erläutert den Albumtitel: ‚A Jisei is a Japanese ‘death poem’, “sometimes referred to as the last words, the last images or the last sounds before the farewell”.

Zudem die erste Bandcamp-Publikation, die ich nicht nur Digital, sondern stofflich erworben habe. Das begleitende Büchlein/Booklet übt nämlich einen irrationalen Reiz auf mich aus.