Nochmal gelesen: (Ent-)Demokratisierung der Demokratie

Vor ein paar Wochen hatte ich das Bedürfnis, diesen Band nochmal zu lesen – nicht als eBook, sondern gedruckt. Vor allem wohl, weil meine Kindle-Highlights mir mit ein paar Monaten Abstand völlig nichtssagend erschienen. Genau das Problem, das in dem Smart Notes-Buch angesprochen wurde. Ist nicht so, dass ich es nicht weiß, ich bin nur oft zu faul, es anders zu machen.

Leif Randt – Allegro Pastell

Tatsächlich ein sehr gutes Buch, das ich natürlich auch gelesen habe, um mich zu vergewissern, dass ich nicht nur nicht wie diese Leute bin, sondern auch nicht wie sie sein will. Diese Erwartung wurde nicht enttäuscht, aber darin erschöpft sich die Lektüre nicht.

„Alles ist extrem gut ausgeleuchtet“, schreibt Ijoma Mangold bei Zeit Online, was fast wortgetreu einer meiner Notizen entspricht – nämlich bezogen auf das grelle Innenleben der beiden Hauptfiguren von Allegro Pastell.

Das Buch ist vielleicht psychologisch (und nicht soziologisch) interessant, weil es diese Haltung des Ich, des Selbst, des Körpers, der Psyche als Projekt, als form- und steuerbar so gut abbildet. Weit jenseits von bloßer Selbstoptimierung (darüber sind die weit hinaus), auch von jener Form, die Illiberale als neoliberal brandmarken. Dabei ebenso sympathisch wie unsympathisch: Interessant eben, also im Wortsinne dazwischen. Leben Menschen heute wirklich so? Fast möchte ich es nicht wissen.

Sönke Ahrens – How to take smart Notes

Jaja, ein „how to“-Buch, aber ein gutes, denn es werden die kognitiven und organisatorischen Prinzipien bei der Handhabung eines Zettelkastens erläutert – natürlich nach dem Vorbild Niklas Luhmanns.

Das Buch ist in der Roam-Community sehr populär und wird gerade in einem Roam Book Club gemeinschaftlich gelesen, aber ich lese ja lieber alleine. Insgesamt sehr instruktiv, angenehm kurz und durchaus kurzweilig. Auch wenn ich jetzt sicherlich nicht parallel sieben Papers schreiben werde …

Frank Herbert – Dune

Die Denis Villeneuve-Verfilmung des Wüstenplaneten wurde gerade erst bis weit in das nächste Jahr verschoben, während ich mich einmal mehr durch die Buchvorlage schmökerte – dieses Mal mit Fokus auf die erste Hälfte des Bandes, die der Film abbilden soll.

Ich bin immer noch latent skeptisch, wie aus dem alten White Savior/Der mit dem Wolf tanzt-Stoff eine zeitgemäße Filmfassung entstanden sein kann, mein Vertrauen in Villeneuve (und den hervorragenden Cast) ist aber groß. Besonders schwer wird mir das Warten auf diesen Film dennoch nicht fallen.

Michael Kleeberg – Vaterjahre

Es kommt selten vor, dass mich eine Erzählstimme so anspricht wie die Kleebergs in Vaterjahre.

Inhaltlich irgendwo zwischen Gesellschaftsroman und Psychogramm schildert das Buch die Person Karlmann Charly Renn durch sämtliche Facetten; Familie, Beruf, Freunde, hobbies, Werdegang. Das hat alles nahezu nichts mit mir zu tun, spricht mich aber dennoch an.

Blake Crouch – Dark Matter

Nachdem mich Recursion sehr begeistert, war ich auf die andere, oft gelobte Geschichte von Blake Crouch gespannt. Dark Matter ist ebenfalls ein packender Science Fiction-Thriller, statt um Zeitreisen geht es um Paralleluniversen. Sehr spannend und kurzweilig. Recursion hat mir nur ein wenig besser gefallen.

John Lanchester – The Wall

Schon wieder eine Empfehlung der Rundschau, dieses Mal keine genuine Science Fiction, sondern eher eine Dystopie.

Besonders im ersten Drittel schafft The Wall diese trostlose Atmosphäre, die mich gelegentlich an Orwell denken ließ: Großbritannien hat sich in der Zukunft komplett eingemauert und setzt hundertausende seiner BürgerInnen im Zwangswachdienst zur Abwehr von Bootsflüchtlingen ein.

Später wandelt sich die Geschichte dann zu einer etwas schlichten Survival-Abenteuergeschichte – ein wenig The Walking Dead (Der Mensch ist des Menschen Wolf) auf hoher See. Besonders der Schluss wirkt, als wusste Lanchester nicht wirklich, wohin mit seiner eigentlich spannenden Ausgangslage. Macht aber nichts: Toll geschrieben ist The Wall allemal.