Tade Thompson – Far from the Light of Heaven

Ein Buch, das sie beim Future Ltd Podcast sehr wohlwollend besprochen haben – und nicht zu unrecht, vereint Far from the Light of Heaven doch eine Murder Mystery an Bord eines Raumschiffs mit einer beeindruckenden Dichte an Cliffhangern und Twists, interessanten Aliens, KI und einer Prise Afrospiritualismus.

Mehr über Tade Thompson bei iAfrica: The Nigerian Doctor who Writes Sci-Fi on the Side

Marlen Haushofer – Die Mansarde

Marlen Haushofer kannte ich bisher nur durch die Verfilmung von Die Wand.

Wo ich die Empfehlung der Mansarde her habe, weiß ich leider nicht mehr genau – Twitter oder ein Blog.

Die Erzählung passt wunderbar zu der Stimmung, zu den Figuren und zu der Verschränkung von Innenwelt und Außenwelt, wie ich sie in Die Wand wahrgenommen habe – aber in einem ganz anderen Setting.

Haushofer ist seit langer Zeit die interessanteste Stimme, die ich in der Literatur entdeckt habe. Erst vor wenigen Tagen gab es beim Deutschlandfunk Kultur eine Lange Nacht über die Schriftstellerin, die ich unbedingt hören werde.

Werner Herzog – Vom Gehen im Eis

Winter 1974: Werner Herzog marschiert von München nach Paris, denn er ist überzeugt, dass die im Sterben liegende Lotte Eisner überleben wird, wenn er das tut.

Das dabei entstandene Logbuch changiert zwischen der winterlichen Szenerie der Alpen und immer traumartiger werdenden Szenen. Kurz und gut. Sehr gut.

Alastair Reynolds – House of Suns

Reynolds war einer dieser Science Fiction-Autoren, die ich mit endlosen Serien und ausuferndem World Building verbinde, wo der Einstieg also schwer bis unmöglich ist, wenn man sich nicht ein monatelanges Leseprojekt ans Bein binden will.

Vermutlich ist der Eindruck sogar richtig, aber von House of Suns las ich in einem Reddit-Thread, wo es ausdrücklich um einzelne Titel ging, die also eben keine Trilogie oder Serie starten und kein Universe begründen. Das fand ich interessant, geht mir das Auswalzen von Stoffen, die derartige Umfänge in den seltensten Fällen tragen, doch auch gehörig auf die Nerven.

House of Suns ist eine passable Space Opera, deren Hauptmerkmal wohl das Fehlen von überlichtschnellem Raumflug ist. Es vergehen also auch dank Zeitdilatation gerne mal ein paar Hunderttausend oder mehr Jahre, während man sich durch die Galaxis von A nach B bewegt. Das birgt Storytelling-Potenzial, welches Reynolds natürlich gekonnt zu nutzen weiß.

Fazit: Kurzweilig, opulent und spannend und zu dieser Zeit genau das richtige gewesen.

Haruki Murakami – Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Aus Versehen habe ich schon wieder ein Buch über das Laufen gelesen. Jetzt ist aber auch gut.

Murakami geht offenbar Laufen, wie andere Leute Mittagsschlaf halten: einfach so und zur Entspannung. Wobei – er schildert auch anstrengende, fordernde Läufe.

Lustig war, wie er die reale Marathon-Strecke in Griechenland absolviert, die heute aber nur aus Schnellstraßen und Vorstädten besteht. Außerdem hat er irgendeinen Schnörkel vergessen und ist folglich nicht einmal die komplette Distanz gelaufen.

Am sympathischsten fand ich, dass Murakami sich ungern fotografieren und filmen lässt, damit er ungestört laufen kann.

Wolfgang Welt – Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe

Nach der Lektüre dieser Sammlung von Texten des Bochumer Autors Wolfgang Welt bestaune ich gerade seinen Wikipedia-Artikel. Offenbar ist der 2016 verstorbene Schriftsteller in seinen späten Jahren noch verdient zu Ehren gekommen.

Die Texte in Buddy Holly … haben oft diese Monotonie, die ich auch an Tagebüchern schätze. Welt fährt von a nach b, meistens zu Kneipen oder Konzerten oder Zeitschriftenredaktionen, trifft wen, erhofft sich irgendwas, was dann nicht klappt. Dazu die ruhrgebietstypische Mischung aus Maloche, Fußball und Bier. Grönemeyer kommt angenehm selten vor, die Buchhandlung Janssen hingegen angemessen häufig.

Tom Hillenbrand – Qube

In Hologrammatica hatte Tom Hillenbrand dem KI/Singularitätsthema einen frischen Anstrich verpasst. So richtig an alle Details der Geschichte erinnern konnte ich mich nicht mehr, als ich zum Nachfolger Qube griff, aber das stellte sich nicht als Hindernis bei der Lektüre heraus. Zwar wurde auf einzelne Personen und Handlungsstränge Bezug genommen, aber Qube kann durchaus für sich stehen.

Und auch in Qube lässt Hillenbrand wieder einige spannende Ideen fallen – so etwa, dass KIs nicht miteinander kommunizieren könnten, gäbe es denn mehrere auf der Erde. Das wird nicht nur behauptet, sondern innerhalb der Logik der Geschichte schlüssig erklärt.

Insgesamt lässt mich der Band aber etwas enttäuscht zurück: Die Story braucht lange um Fahrt aufzunehmen um dann in in einem etwas albernen (und leider auch unplausiblen) Augmented Reality-Spiel zu gipfeln. Von den vier Protagonisten sind lediglich zwei wirklich interessant und das Ende leitet allzu deutlich zu einer weiteren Fortsetzung über.

Richard Seymour – The Twittering Machine

Ich habe mich von sämtlichen Digital detox-Ratgebern ferngehalten (wie von allen übrigen Ratgebern auch). The Twittering machine ist auch keineswegs so ein Buch, aber es hatte einen ähnlichen, vielleicht sogar wirksameren Effekt, nämlich, mein Twitter-Profil auf knapp über Null herunterzufahren.

Das Buch ist eine schonungslose Polemik der Social Industry, und der schweren Abhängigkeiten und Externalitäten, die sie schafft. Die Fallbeispiele waren mir weit überwiegend längst bekannt, der nicht vorhandene Nutzen der Netzwerke ebenfalls. Die Drastik und Bündelung all dessen war aber äußerst eindrucksvoll, auch wenn sie nicht bis zur endgültigen Löschung des Profils gereicht hat. Dafür bin ich eben noch zu abhängig.

Kevin Roose – Futurepeoof

9 rules for humans in the age of automation lautet der vollständige Titel dieses Büchleins des NYT-Journalisten Kevin Roose.

Geschrieben ist es in diesem schmissigen, niemals anstrengenden Stil amerikanischer Sachbücher, in denen jedes Kapitel durch eine Anekdote, ein Schicksal gerahmt werden muss.

Die 9 Regeln streifen den Self Help-Duktus, ohne dabei vollkommen unbrauchbar zu sein. Die Rolle des Konsequentialisten könnte mir gefallen.

Fazit: spannend und ein wenig hilfreich. Könnte kürzer sein, aber dann wäre es wahrscheinlich aus Verlagssicht zu kurz.

Judith Shklar – Über Ungerechtigkeit

Noch ein Buch, das ich mir von der Unibibliothek Hagen habe schicken lassen. Von Shklar hörte ich erstmals in einem Radiobeitrag, natürlich habe ich vergessen welchem; danach fiel mir ihr Name häufig in den Fußnoten und Zitationen diverser Bücher auf, die ich las.

Die liberale Theoretikerin entwirft eine eigene Perspektive auf Ungerechtigkeit, in der diese mehr ist als nur der Gegenpol von Gerechtigkeit. Ungerechtigkeit gibt es auch in Ordnungen, die sich für gerecht halten.

Zudem unterscheidet sie die Unterscheidung von Unglück und Ungerechtigkeit. Was einst Unglück war, das einem eben widerfährt, kann auch Ungerechtigkeit sein oder werden, die es zu beseitigen gilt. Diese Prozesse vollziehen sich natürlich nicht ordentlich und reibungslos. So ist Über Ungerechtigkeit auch eine geeignete Folie, um aktuelle Debatten zu beobachten.