Kim Stanley Robinson – The Ministry for the Future

Kim Stanley Robinson beschreibt in The Ministry for the Future, wie die Menschheit mit dem Klimawandel umgeht. Das Buch ist eine Art fiktionale Dokumentation, die zwischen den sporadischen romanhaften Erzählungen der beiden Protagonisten aus Sitzungsprotokollen, Augenzeugenberichten namensloser Ich-Erzähler und Infodumps zu ökonomischen Konzepten und Glaziologie besteht.

Ehe es besser wird, wird es schlimmer. Und besser nur, wenn dafür harte politische Entscheidungen auf globaler Ebene getroffen werden. Schilderungen, wie die zustande kommen, nehmen großen Raum in dem Buch ein. Das trägt zu seinem immensen Realismus bei, was mir gefallen hat.

Dann allerdings gab es einen wirklich großartigen Schlusspunkt in der Erzählung, bei dem ich überzeugt war, dass ich nach dem Umblättern ein langer Anhang oder ähnliches beginnen würde. Allerdings geht die Geschichte danach noch sehr sehr lange weiter und wurde eher ermüdend und zäh.

Paul Cornell – Rosebud

Nun, das war seltsam. Aber immerhin kurz. Die digitale Crew eines milimetergroßen Raumschiffs stößt auf ein Big Dumb Object in Form einer schwarzen Kugel, das in durchaus interessanter Weise Zeit manipulieren kann. Konfus, aber auch unterhaltsam.

Iain M. Banks – Matter

Eigentlich sei „ja jeder Culture-Band, den man gerade liest oder gelesen hat, der beste“ schrieb ich, nachdem ich Look to Windward gelesen hatte. Ein Eindruck, den ich nach Matter revidieren muss. Das Buch ist lang, mitunter langweilig, das Ensemble an Figuren und Völkern vielfach redundant und kaum zu unterscheiden. Dass ich es dennoch abgeschlossen habe, spricht einmal mehr für Banks‘ herausragend guten Schreibstil.

Heinrich Mann – Im Schlaraffenland

Der erste Teil einer H. Mann-Gesamtausgabe, die ich mir auf den Kindle gezogen habe. Andreas Zumsee geht nach Berlin und stößt in die feine Gesellschaft vor. Die findet ihn zunächst interessant und lässt in dann fallen.

Als Gesellschaftssatire macht Im Schlaraffenland durchaus Spaß, vor allem, wenn man Andreas‘ maßloser Selbstüberschätzung beiwohnen kann. Die deutlich antisemitischen Ankläge und ebenso gezeichneten Figuren verübeln die Lektüre jedoch erheblich.

Ulf Erdmann Ziegler – Eine andere Epoche

Die Rezensionsnotizen zu diesem Buch waren ja geradezu hymnisch. Ich fand es interessant, aber nun auch nicht überragend. Es bewegt sich, was den politischen Realismus der Arbeit im Bundestag betrifft, in einem merkwürdigen Uncanny Valley: Die Geschichte ist so nah dran an dem wahren Ereignisgeflecht aus NSU, Untersuchungsausschuss, Christian Wulff, Sebastian Edathy und Michael Hartmann, dass die Feinheiten sie noch mehr ins Fiktive, teils Absurde rücken. Im Büro des Ausschussvorsitzenden scheint nie richtig gearbeitet zu werden. Termindruck, Hetzerei, Berge an Drucksachen gibt es dort nicht. Die Gespräche, die geführt werden, klingen mitunter vollkommen irreal. Außerdem – eine Kleinigkeit, die mich aber oft aus der Lektüre herausriss – haben etliche Figuren wirklich seltsame Namen.

Tade Thompson – Far from the Light of Heaven

Ein Buch, das sie beim Future Ltd Podcast sehr wohlwollend besprochen haben – und nicht zu unrecht, vereint Far from the Light of Heaven doch eine Murder Mystery an Bord eines Raumschiffs mit einer beeindruckenden Dichte an Cliffhangern und Twists, interessanten Aliens, KI und einer Prise Afrospiritualismus.

Mehr über Tade Thompson bei iAfrica: The Nigerian Doctor who Writes Sci-Fi on the Side

Marlen Haushofer – Die Mansarde

Marlen Haushofer kannte ich bisher nur durch die Verfilmung von Die Wand.

Wo ich die Empfehlung der Mansarde her habe, weiß ich leider nicht mehr genau – Twitter oder ein Blog.

Die Erzählung passt wunderbar zu der Stimmung, zu den Figuren und zu der Verschränkung von Innenwelt und Außenwelt, wie ich sie in Die Wand wahrgenommen habe – aber in einem ganz anderen Setting.

Haushofer ist seit langer Zeit die interessanteste Stimme, die ich in der Literatur entdeckt habe. Erst vor wenigen Tagen gab es beim Deutschlandfunk Kultur eine Lange Nacht über die Schriftstellerin, die ich unbedingt hören werde.

Werner Herzog – Vom Gehen im Eis

Winter 1974: Werner Herzog marschiert von München nach Paris, denn er ist überzeugt, dass die im Sterben liegende Lotte Eisner überleben wird, wenn er das tut.

Das dabei entstandene Logbuch changiert zwischen der winterlichen Szenerie der Alpen und immer traumartiger werdenden Szenen. Kurz und gut. Sehr gut.

Alastair Reynolds – House of Suns

Reynolds war einer dieser Science Fiction-Autoren, die ich mit endlosen Serien und ausuferndem World Building verbinde, wo der Einstieg also schwer bis unmöglich ist, wenn man sich nicht ein monatelanges Leseprojekt ans Bein binden will.

Vermutlich ist der Eindruck sogar richtig, aber von House of Suns las ich in einem Reddit-Thread, wo es ausdrücklich um einzelne Titel ging, die also eben keine Trilogie oder Serie starten und kein Universe begründen. Das fand ich interessant, geht mir das Auswalzen von Stoffen, die derartige Umfänge in den seltensten Fällen tragen, doch auch gehörig auf die Nerven.

House of Suns ist eine passable Space Opera, deren Hauptmerkmal wohl das Fehlen von überlichtschnellem Raumflug ist. Es vergehen also auch dank Zeitdilatation gerne mal ein paar Hunderttausend oder mehr Jahre, während man sich durch die Galaxis von A nach B bewegt. Das birgt Storytelling-Potenzial, welches Reynolds natürlich gekonnt zu nutzen weiß.

Fazit: Kurzweilig, opulent und spannend und zu dieser Zeit genau das richtige gewesen.