Peter Modler – Mit Ignoranten sprechen

Zufallsfund im heimischen Regal und eine hilfreiche Einordnung verschiedener Kommunikationsstile. Sicherlich werde ich jetzt nicht meine Gewohnheiten nachhaltig ändern (ich kommuniziere gerne und auch weiterhin horizontal), aber interessant, spannend und angenehm, weil angemessen kurz.

Colin Crouch – Postdemokratie

Das schönste an meiner Lektüre von Postdemokratie ist, dass sie nach der Europawahl in eine Zeit fällt, in der die Kernidee des Buches vollständig widerlegt wird – durch eine lebendige Zivilgesellschaft, die zu unvorhergesehenen Wahlergebnissen und neuen politischen Konstellationen und Perspektiven führt.

Wobei ich Colin Crouch damit eigentlich nicht gerecht werde, denn er warnt selbst davor, seine Schilderungen allzu ernst zu nehmen: „Wir müssen uns davor hüten, die Bedeutung dieser Vorgänge zu übertreiben“, schreibt er etwa in seinem Kapitel zum „Phantomunternehmen“, das in der Tat mit 99 Prozent des Wirtschaftsgeschehens nicht das geringste zu tun hat.

Damit ist auch eines der grundlegenden Probleme markiert, die ich mit seinen Thesen habe: Sie sind kaum falsifizierbar. Es lassen sich im Grunde immer irgendwo „Teams professioneller PR-Experten“ finden, das Engagement der Bürger lässt sich immer aus irgendeinem Blickwinkel als „passiv, schweigend, ja sogar apathisch“ verbrämen, Politik wird immer auch „hinter verschlossenen Türen gemacht“ und sie wird immer auch „die Interessen der Wirtschaft vertreten“. Solche Sätze kann man eigentlich nur formulieren, wenn man Politik für einen Monolithen hält, der keine unterschiedlichen Akteure mit widerstreitenden Interessen zulässt, die unterschiedliche Dinge zur gleichen Zeit tun – wenn man die Möglichkeit von Demokratie also eigentlich ausschließt.


Dabei darf der Einfluss von „Postdemokratie“ nicht unterschätzt werden. Nahezu alle darin vertretenen Konzepte, von der Lobbyismuskritik bis hin zu dem herablassend-paternalistischen Bild der Bürger gegenüber den Medien und der sich an Naomi Klein anlehnenden Unternehmensauffassung wird seit Jahren heruntergebetet, wenn es um besonders schlichte politische Kritik geht. Anfangs noch in der politischen Linken und inzwischen, weiterentwickelt und mit anderen Begrifflichkeiten, weit darüber hinaus.

Postdemokratie führt einem damit in bedrückender Weise die Denkfaulheit und Unterkomplexität der (linken) politischen Philosophie der vergangenen Jahre vor Augen. Damit reiht es sich ein in die Fantastereien vom „kommenden Aufstand“ und vom „linken Populismus“: allesamt wirkungslos bis schädlich.

Linda Nagata – The Bohr Maker

Gekauft und gerne gelesen wegen dieser Passage der jüngsten Science Fiction und Fantasy-Rundschau des Standard:

Hier kommt das richtige Buch für alle, die Space Operas im Stil von James Corey, Vernor Vinge oder Alastair Reynolds als das Nonplusultra der Science Fiction ansehen. Ganz besonders sogar Alastair Reynolds, denn dessen erfolgreicher „Revelation Space“-Zyklus wurde maßgeblich von Linda Nagatas „Nanotech Succession“-Reihe beeinflusst. Diese ist in vier Bänden in den Jahren 1995 bis 1998 erschienen und bildet in ihrer Gesamtheit eine waschechte Future History, die von quasi morgen bis in eine ferne transhumane Ära reicht.

Isaac Asimov – Das Foundation-Projekt (Band 5)

Asimovs Foundation-Bücher erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit unter Science Fiction-LeserInnen. Schon als ich vor einigen Jahren einen Ausschnitt des unerhört langen Zyklus gelesen habe, war mir nicht klar warum das so ist. Die Schreibe hebt sich kaum vom Groschenroman-Niveau ab, die Science Fiction ist nicht mehr als ein Hintergrundsetting (was nicht schlimm sein muss, siehe Ursula Le Guin) und die Kernidee der Psychohistorik, einer Art Sozialmathematik, mit der sich die Zukunft von Gesellschaften vorhersagen lässt, fand ich nur mäßig interessant.

In der Stadtbücherei fand ich einige Bände des Zyklus und habe mit Band 5 den ältesten ausgeliehen, der – so scheint mir – unmittelbar vor dem Teil spielt, den ich früher schon gelesen habe. Im Mittelpunkt steht Hari Seldon, Erfinder der Psychohistorik und sein Ringen um deren Vollendung. Dafür muss er Attentatsversuche abwehren, um politische und finanzielle Untertützung werben und selbst ein politisches Amt bekleiden. Das liest sich auch alles so banal wie es klingt. Es geht mitunter um Schnauzbärte, Limonade, Geburtstagsfeiern und die Logistik beim Bezug von Laborräumen. Dennoch habe ich die fast 500 Seiten zügig gelesen. Irgendwas ist schon dran am Foundation-Zyklus.

Gelesen: Vernor Vinge – A Fire Upon the Deep

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Ein interessanter Kontrast zu der Science Fiction von Ursula Le Guin, die ich zuvor gelesen habe.

Während sie so wenig Aufwand wie nötig auf das World Building verwendet und anstelle dessen alles was sie hat in die Charaktere und die Geschichte investiert, stapelt Vernor Vinge Konzepte auf Konzepten und verfängt bei mir leider überhaupt nicht.

(Gelesen auf Empfehlung von tor.com)

Gelesen: Cixin Liu – Spiegel

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Das ging unerwartet schnell: Das 190seitige Taschenbuch umfasst nämlich neben der nur knapp 100seitigen Geschichte noch einen umständlichen Anhang, der wohl die kosmologischen/philosophischen Aspekte der Novelle beleuchten soll. Den habe ich aber nur überflogen.

Cixin Liu macht ja seit einiger Zeit mit seiner chinesischen Science Fiction sowas wie Furore. Mich hatte Die drei Sonnen nicht besonders begeistert. Spiegel profitiert von seiner Kürze – ohnehin sind Kurzgeschichten oder eben Novellen fast schon mein Lieblingsformat in der Science Fiction.

Die Grundidee ist überaus fantastisch (sie hier zu skizzieren, käme schon einem Spoiler gleich) und die kammerspielartige Erzählung – im Grunde ein einziger langer Infodump – macht Spaß. Nur fand ich die Idee als solche nicht besonders gut zuende gedacht. Alles im dystopischen Niedergang enden zu lassen ist fast schon bequem, nicht zwingend und wenig interessant.