Yuval Noah Harari – Sapiens

Das habe ich auch schon mal gelesen, mit wenig Erinnerung daran. Am meisten interessiert mich die menschliche Frühgeschichte, die aber kaum mehr als die erste Hälfte des Buches ausmacht.

Die Leistung Hararis, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Kulturwissenschaft und noch ein geschätztes halbes Dutzend weiterer Wissenschaften in eine kurze Geschichte der Menschheit zu rühren, ist zweifellos beachtlich. Es liest sich halt nur wie ein Kinder- oder Jugendbuch – was auch diesem spezifischen Sachbuchstil geschuldet ist. Mein zwölfjähriges Ich hätte zwar nicht alles verstanden, wäre von Sapiens aber restlos begeistert gewesen.

Meinen Plan, dieses Buch nochmal und im Anschluss dann Homo Deus zu lesen, habe ich damit erstmal verworfen.

Alice Hasters: Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten

Ein Buch, das ich schon längst hätte lesen sollen und nicht erst, nachdem gewisse Komödianten ihm zu Reichweite verhalfen. Gerade für Leute, die glauben, schon alles zu wissen und vieles richtig zu machen (ja, wie mich) eine dringend notwendige Kopfwäsche. Alltagsnah, schmerzhaft und viele ungeahnte Facetten über deutsche Kolonialgeschichte, Partnerschaft bis hin zu Sport beleuchtend/vertiefend. Außerdem mit einer exzellenten Literaturliste am Schluss.

NSU-Watch: Aufklären und Einmischen

Dieses Buch erhielt ich, weil ich Jahre zuvor an einem Crowdfunding oder einer ähnlichen Finanzierungsform des Projektes NSU-Watch teilgenommen habe.

Zum NSU habe ich schon einiges gelesen, unter anderem „Heimatschutz“ von Stefan Aust und Dirk Laabs. Die von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichten Prozessprotokolle habe ich ebenfalls im Schrank stehen – das Format ist aber überaus sperrig.

Aufklären und Einmischen stellt ergänzend dazu einen hervorragenden Überblick über den Prozess dar und erklärt im Rahmen des wohl Möglichen, wie dieser zu einem Urteil führte, bei dem Neonazis im Zuschauerraum begeistert klatschten.

Kapitelweise widmet sich das Buch der so wichtigen Nebenklage von Angehörigen der Opfer und Überlebenden, den Angeklagten, der Bundesanwaltschaft, Zeuginnen und Zeugen sowie der Rolle der Öffentlichkeit.

Eine unbedingte Leseempfehlung, um an die Dringlichkeit des Widerstandes gegen den Terror von Rechts erinnert zu werden.

Nochmal gelesen: (Ent-)Demokratisierung der Demokratie

Vor ein paar Wochen hatte ich das Bedürfnis, diesen Band nochmal zu lesen – nicht als eBook, sondern gedruckt. Vor allem wohl, weil meine Kindle-Highlights mir mit ein paar Monaten Abstand völlig nichtssagend erschienen. Genau das Problem, das in dem Smart Notes-Buch angesprochen wurde. Ist nicht so, dass ich es nicht weiß, ich bin nur oft zu faul, es anders zu machen.

Leif Randt – Allegro Pastell

Tatsächlich ein sehr gutes Buch, das ich natürlich auch gelesen habe, um mich zu vergewissern, dass ich nicht nur nicht wie diese Leute bin, sondern auch nicht wie sie sein will. Diese Erwartung wurde nicht enttäuscht, aber darin erschöpft sich die Lektüre nicht.

„Alles ist extrem gut ausgeleuchtet“, schreibt Ijoma Mangold bei Zeit Online, was fast wortgetreu einer meiner Notizen entspricht – nämlich bezogen auf das grelle Innenleben der beiden Hauptfiguren von Allegro Pastell.

Das Buch ist vielleicht psychologisch (und nicht soziologisch) interessant, weil es diese Haltung des Ich, des Selbst, des Körpers, der Psyche als Projekt, als form- und steuerbar so gut abbildet. Weit jenseits von bloßer Selbstoptimierung (darüber sind die weit hinaus), auch von jener Form, die Illiberale als neoliberal brandmarken. Dabei ebenso sympathisch wie unsympathisch: Interessant eben, also im Wortsinne dazwischen. Leben Menschen heute wirklich so? Fast möchte ich es nicht wissen.

Blendle statt Abo

Am Wochenende habe ich mein Digitalabo der Süddeutschen Zeitung gekündigt. Daraufhin habe ich eine Bestätigungs-E-Mail erhalten, wonach ich noch irgendwo anrufen solle, um irgendetwas zu klären. Das mache ich natürlich (vorerst) nicht, sondern gehe davon aus, dass das Abo endet, wie es sich gehört.

Meine Beweggründe bildet dieser Tweet nur leicht überspitzt ab:

Denn dieser betuliche Meinungsbeitrag der Schriftstellerin Eva Menasse steht nicht nur sinnbildlich für die Ideenarmut des Feuilletons in der SZ, sondern auch für den nicht enden wollenden Schwall an Artikeln über die Frage, was wir während der Pandemie nur machen sollen. Ich werde wohl nie ein Problem haben, die für mich zu beantworten und fühle mich daher nicht angesprochen.

Jedenfalls habe ich mich dann dazu entschieden, den erklecklichen Beitrag, den die SZ pro Monat kostet, einmal mehr der sympathischen niederländischen Firma Blendle zukommen zu lassen. Dort kann man – die meisten werden es kennen – Artikel aus einer Vielzahl deutscher und ausländischer Verlagsangebote für halbwegs wenig Geld kaufen und im Browser lesen – also abseits rumpeliger und nutzerfeindlicher PDF-Friedhöfe.

Dabei durchblättert man recht formschön die Zeitungen und Zeitschriften und klickt an, was man lesen will. Die Beträge werden von einem zuvor aufgeladenen Budget abgezogen. Was die Verlage für wenig Geld halten, entscheiden sie selbst. So entstehen erhebliche Unterschiede: Bei der FAZ etwa kostet pauschal alles 55 Cent. Die Süddeutsche lese ich dort noch über mein (auslaufendes) Abo, aber ich meine, für die längeren Stücke werden dort sogar 79 Cent genommen. Generell sind die deutschsprachigen Angebote ziemlich hochpreisig.

So entsteht der Effekt, dass man ständig im Kopf mitrechnet: Diesen Artikel, oder diesen, oder gucke ich erstmal, was noch kommt? Vor allem dieses Nichtwissen von dem „was noch kommt“ ist ein Problem: Lösen lässt sich das mit einer Vorauswahl über die Leseliste.

Die Titelgeschichte des aktuellen Spiegel für schlanke 1,99€

Am merkwürdigsten finde ich, dass diese Preise schon seit Jahren und vermutlich schon seit dem Deutschland-Start von Blendle gelten. Hat sich wirklich keiner der großen Verlage zu ein wenig Experimentierfreude durchringen können, was die Preisgestaltung betrifft?

Sönke Ahrens – How to take smart Notes

Jaja, ein „how to“-Buch, aber ein gutes, denn es werden die kognitiven und organisatorischen Prinzipien bei der Handhabung eines Zettelkastens erläutert – natürlich nach dem Vorbild Niklas Luhmanns.

Das Buch ist in der Roam-Community sehr populär und wird gerade in einem Roam Book Club gemeinschaftlich gelesen, aber ich lese ja lieber alleine. Insgesamt sehr instruktiv, angenehm kurz und durchaus kurzweilig. Auch wenn ich jetzt sicherlich nicht parallel sieben Papers schreiben werde …