Peter Watts – Blindsight

Wenn ein Science Fiction-Roman einen Anhang samt Fußnoten hat, wo die Konzepte und Ideen wissenschaftlich erklärt werden, dann befindet man sich im allzu oft freudlosen Subgenre der Hard Science Fiction, in dem der Science-Anteil besonders groß und ausgetüftelt ist und die Fiction sich ihm unterzuordnen hat.

Peter Watts gelingt mit Blindsight ein immens spannender Beitrag zu diesem Genre. Eine First Contact-Variation, in welcher das Alien nicht nur fremdartig aussieht, sondern sich auch so verhält. Während zum Beispiel das titelgebende Film-Alien unzweifelhaft feindselig ist, ist das in Blindsight lange Zeit überhaupt nicht klar. Garniert wird die Geschichte mit einer gehörigen Portion Transhumanismus und Meditationen über Bewusstsein, Intelligenz und Evolution. High Concept, nicht leicht zu lesen, aber sehr gut.

Leitbild Mobilität der Stadt Bochum

Interessant, auch weil ich heute erstmals mit dem Fahrrad in Bochum gefahren bin (eigentlich ganz ok, zumindest für die paar Meter): Es gibt ein Leitbild Mobilität der Stadt Bochum (PDF). Darin heißt es:

Zurzeit liegt der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) in Bochum bei 56%. [..] Bis 2030 könnte der Anteil des MIV auf 40 bis 45 % sinken. [..] Ein Anteil von 40 bis 45% des MIV an allen Wegen ist zwar höher als der Modal Split, den andere deutsche Großstädte bereits heute haben. Er ist allerdings an dem höheren Ausgangsniveau in Bochum zu messen.

56 Prozent motorisierter Individualverkehr erschien mir absurd wenig, ist gemäß des letzten zitierten Satzes aber wohl viel. Eine Reduktion auf 40 bis 45 Prozent erscheint mir wiederum etwas unambitioniert, aber wahrscheinlich realistisch.

Die Bochumer Grünen kündigen ihre Zustimmung an: „Das Leitbild Mobilität geht klar in die richtige Richtung. Es zielt auf die Stärkung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr ab. Von uns aus steht einem positiven Votum in den Ausschüssen und im Rat nichts mehr im Weg“, erklärt Sebastian Pewny, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion.

Bemerkenswert auch: „Die Stadt Bochum ist seit 2016 Mitglied der AGFS (Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte).

Eine öffentlich-rechtliche soziale Plattform?

Wie aber müsste eine soziale Plattform beschaffen sein, auf der man sich gerne aktiv mit Fremden austauscht? Sie müsste erstens öffentlich-rechtlich sein; und zweitens trotzdem Spaß machen.

Philipp Bovermann spricht sich in der Süddeutschen für eine öffentlich-rechtliche soziale Plattform als Gegenmodell zu Facebook, Twitter und Co. aus. Denn Facebook hätte längst das Interesse an einer digitalen Öffentlichkeit verloren und dirigiere seine Nutzer „hinter unsichtbare Mauern, um sie vor einer möglichen Stressquelle abzuschotten: Menschen mit anderen Meinungen“.

Vorweg: Ich fände es gut, würde die öffentliche Hand es als ihre Aufgabe betrachten, digitale Öffentlichkeit(en) im Rahmen der Grundversorgung zu fördern. Das könnte sie zum Beispiel tun, indem sie die Weiterentwicklung von Protokollen wie beispielsweise ActivityPub fördert.

Aber gibt es konkreten Bedarf an einer öffentlich-rechtlichen sozialen Plattform? Der ÖR-Rundfunk – als offenkundiges Beispiel – hat den Auftrag, „im Interesse von Informationsfreiheit und Demokratie, ein vielfältiges, umfassendes und ausgewogenes mediales Angebot zu sichern“.

Die Gefahren bestehender Netzwerke für Informationsfreiheit und Demokratie sind derzeit evident und werden in vielfältiger Weise diskutiert – Netzwerke wie Facebook versuchen bereits zu reagieren. Zugleich sind die in Rede stehenden Unternehmen und Technologien durchweg sehr jung und wir wissen derzeit nicht, ob diese Gefahren Bestand haben werden, ob die technischen und designbezogenen Maßnahmen greifen werden, oder ob sich sogar die sozialen Praktiken von NutzerInnen im Umgang mit ihnen einfach ändern.

Zugleich ist der Auftrag des Rundfunks, Vielfalt und Ausgewogenheit zu zu fördern, für diesen praktisch erfüllbar (um die Frage, ob er erfüllt wird, geht es hier nicht – ich meine ja). Soziale Netzwerke, die solche oder vergleichbare Zwecke verfolgen sollten, müssten diese aber auf der Ebene des Designs, der Technologie, der Algorithmen umsetzen. Dieses Problem halte ich für ungelöst. Bovermann hält es für möglich:

Es könnte tatsächlich sein, dass der implizit in sie hineinprogrammierte Gesellschaftsentwurf einer öffentlich-rechtlichen Plattform dazu führt, dass es dort angenehmer ist, mit fremden Menschen in Kontakt zu treten.

Bei dieser Idee eines „hineinprogrammierten Gesellschaftsentwurfs“ werde ich allerdings unruhig. Wie anspruchsvoll und fehlerbehaftet Versuche sind, Gesellschaft in Code abzubilden, zeigen zahllose Beispiele, von sozialen Medien selbst, über Blockchain bis hin zu dem, was derzeit als künstliche Intelligenz vermarktet wird.

Aus meiner Sicht müsste die Diskussion genau da ansetzen: Netzwerkdesigns, die Filterblasen überwinden wo sie stören, vielleicht aber auch fördern wo sie sinnvoll sind – etwa wenn sich Gleichgesinnte einfach erstmal finden müssen, gewissermaßen das digitale Äquivalent zu Parteien.

Zu bedenken ist: Überall dort, wo sich analog „Marktplätze politischer Ideen“ formierten, die Bovermann digital nachbilden möchte, hatten diese nur Bestand, wenn sie hochgradig reglementiert und (so meine Wertung) zivilisiert wurden, seien es Parlamente oder Parteien durch Moderation, Geschäftsordnungen, Satzungen, Rednerlisten, Redezeitbegrenzung etc. Das genaue Gegenteil also davon, dass einfach alle miteinander reden. Ob und wie solche Strukturen digital abbildbar sind, halte ich für offen.

11.3.19: Zugfahrt-GAU und Ambient

Nach gut einem halben Jahr des Pendelns ist mir heute (eigentlich Samstag bei der Buchung) der denkbar blödeste GAU unterlaufen: Versehentlich hatte ich eine Fahrt in die falsche Richtung erworben, also von Berlin nach Bochum und nicht umgekehrt. Stornieren ließ sich kurzfristig in der DB-App nichts mehr, also kaufte ich die richtige Verbindung, die aber erst zwei Stunden später eine Reservierung zuließ.

Dann in einem knallvollen Zug (es gab wegen des Sturms wohl noch zahlreiche Ausfälle auf anderen Verbindungen) gesessen, der auch noch dem Nadelöhr Hamm zum Opfer fiel, wo rund 45 Minuten auf den zweiten Zugteil gewartet werden musste. Zuhause blieb dann nur Zeit für Einkaufen, Hausarbeit und wenige Umzugsvorbereitungen.


Monat für Monat kuratiert Ari Delaney die besten Ambientalben, die bei Bandcamp erschienen sind – und zwar so, dass fast immer was dabei ist. Hier der Roundup für Februar. Wie er dabei eine der für meine Begriffe unzugänglichsten Musikformen in Worte kleidet, verdient höchste Anerkennung. Aus dem schon hohen Output des Bandcamp Daily-Magazins (so nenne ich es jetzt einfach mal) die stets lesens- und hörenswerteste Rubrik.


Zuckerberg’s essay is a power grab disguised as an act of contrition. Read it carefully, and it’s impossible to escape the conclusion that if privacy is to be protected in any meaningful way, Facebook must be broken up.

Die MIT Technology Review über Zuckerbergs Privacy-Pamphlet

Isaac Asimov – Das Foundation-Projekt (Band 5)

Asimovs Foundation-Bücher erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit unter Science Fiction-LeserInnen. Schon als ich vor einigen Jahren einen Ausschnitt des unerhört langen Zyklus gelesen habe, war mir nicht klar warum das so ist. Die Schreibe hebt sich kaum vom Groschenroman-Niveau ab, die Science Fiction ist nicht mehr als ein Hintergrundsetting (was nicht schlimm sein muss, siehe Ursula Le Guin) und die Kernidee der Psychohistorik, einer Art Sozialmathematik, mit der sich die Zukunft von Gesellschaften vorhersagen lässt, fand ich nur mäßig interessant.

In der Stadtbücherei fand ich einige Bände des Zyklus und habe mit Band 5 den ältesten ausgeliehen, der – so scheint mir – unmittelbar vor dem Teil spielt, den ich früher schon gelesen habe. Im Mittelpunkt steht Hari Seldon, Erfinder der Psychohistorik und sein Ringen um deren Vollendung. Dafür muss er Attentatsversuche abwehren, um politische und finanzielle Untertützung werben und selbst ein politisches Amt bekleiden. Das liest sich auch alles so banal wie es klingt. Es geht mitunter um Schnauzbärte, Limonade, Geburtstagsfeiern und die Logistik beim Bezug von Laborräumen. Dennoch habe ich die fast 500 Seiten zügig gelesen. Irgendwas ist schon dran am Foundation-Zyklus.

4.3.19: Die Heiterkeit

Noch drei Tage im alten Job, dann Resturlaub/Umzug, dann Neustart in NRW – stay tuned.

Was auch gut ist: Es gibt ein neues Album der Gruppe Die Heiterkeit, von denen mich Pop & Tod I & II schwer begeisterte. Hier die Single Jeder Tag ist ein kleines Jahrhundert:

Gregor Maurach – Seneca, Leben und Werk

Entliehen aus der Stadtbücherei Bochum. Eine umfassende Einführung in die nur lückenhaft bekannte Biografie eines der großen Stoiker der Antike. Den größten Teil widmet Maurach aber Philosophie und Texten Senecas – natürlich auch jenen, die man nicht kennt, wenn man sich vorwiegend für die stoischen Schriften interessiert und schon deshalb lohnenswert.

Nicht immer leicht lesbar aufgrund der zahllosen in den Fließtext eingeklammerten Anmerkungen und Verweise, aber locker genug geschrieben, um die rund 240 Seiten schnell wegzulesen.

3.3.19: Parteiarbeit

Die mir bislang unbekannte grüne Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws (frauen- und kulturpolitische Sprecherin der Fraktion) äußert sich „kritisch“ zu einem homöopathiekritischen Beitrag der tageszeitung – gefunden bei den Scienceblogs:

In den Diskussionen unter dem Tweet verweist sie dann auf eine „Vielfalt der Heilmethoden“, für die die Grünen auch in nicht näher benannten Wahlprogrammen stünden. Im jüngsten Bundestagswahlprogramm (was wohl die einzige Wahlprogrammatik sein sollte, der sich Schauws als Bundestagsabgeordnete verpflichtet fühlen dürfte) finde ich den Begriff Homöopathie indes gar nicht und den Begriff Vielfalt in zahllosen Zusammenhängen, jedoch nicht diesem.

Immerhin veranlasste mich das endlich, mich mit den Planungen zur Erarbeitung eines neuen grünen Grundsatzprogramms zu befassen. Ich fände es gut, wenn meine Partei sich darin klar zu evidenzbasierter Medizin bekennt und will versuchen, mit darauf hinzuwirken.

25.2.19: Imbiss und Züge

Mein heutiger Imbiss-Tweet ging ja regelrecht durch die Decke:

Es war aber auch wieder lecker (und mein ausdrücklicher Geburtstagsmahl-Wunsch, nicht nur, weil Montags ja alle Lokale geschlossen haben).

Ich kann mich an keinen 25. Februar oder überhaupt einen Februar erinnern, der so warm war. Früher war der Februar der Monat, in dem es endlich mal schneite.

Außerdem verbrachte ich nicht geringe Teile des Tages in der Bahn. Vormittags von Bochum nach Bünde (alles minutengenau), nachmittags von Bünde nach Berlin (40 Minuten Verspätung bei der Abfahrt, aus denen 30 Minuten bei der Ankunft wurden). Die Gelegenheit, wieder Tortoise zu hören. Tortoise!