Susanna Clarke – Piranesi

Piranesi bewohnt ein offenbar unendlich großes Gebäude, das aus nichts als Sälen besteht, die mit unzähligen Statuen möbliert sind. Im Untergeschoss tost die See. Piranesi erforscht das Gebäude, ernährt sich von dem, was das Meer bietet und trifft alle paar Tage den mysteriösen Anderen.

Wie Susanna Clarke aus dieser Grundidee eine ruhige, spannende, faszinierende und berührend erzählte Geschichte entwickelt, ist höchst bemerkenswert.

Für Bücher wie dieses schaue ich regelmäßig in die SF-Rezensionen beim Standard. Hier geht es zur vollständigen Review von Piranesi.

Alexander Weinstein – Universal Love

Nach der Lektüre von Wool gelüstete mich nach Kurzgeschichten und prompt sprang mich in der Vorstellung der besten Science-Fiction-Bücher des Jahres bei Der Standard diese Sammlung von elf Geschichten an.

Als „das Beste, was man an SF-Kurzgeschichten bekommen kann, wenn nicht gerade mal wieder Ted Chiang etwas Neues veröffentlicht“ wurde der Band dort angepriesen und – sorry – aber das geht etwas zu weit. Stilistisch ist Weinstein in der Tat nah an Chiang und dessen oft distanziert berichtendem, fast journalistischem Stil. Aber dieser Stil ist ja nicht die eigentliche Stärke von Chiang, sondern wird durch bahnbrechend gute Ideen aufgewogen.

Weinstein interessiert sich für die Wechselwirkungen von Technologie und Beziehungen. Da werden aus den Social Media-Archiven von Verstorbenen Avatare errechnet, die diese überzeugend weiterleben lassen. Kinder entgleiten ihren Eltern, nachdem sie Implantate erhalten haben, mit denen sie online gehen. Gamer steuern in einer Ender’s Game meets Drohnenkrieg-Variation echte Kampfmaschinen.

Man merkt: Weinstein blickt skeptisch, warnend-konservativ auf Digitalisierung, Vernetzung und Social Media. Das finde ich inzwischen aber zu erwartbar und langweilig, weil es sich bezogen auf Gegenwart und nahe Zukunft mit meinen Einschätzungen und Erwartungen deckt, für die fernere Zukunft aber wiederum nicht meinen Erwartungen entspricht.

Hugh Howey – Wool

Ich muss mir einfach mal merken, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach einen Grund gegeben hat, wenn ich eine Reihe nicht weiterlas.

Wool (oder Silo) begann mit einer hervorragenden Kurzgeschichte in einem mysteriösen postapokalyptischen Setting, das in den Fortsetzungen (wir befinden uns immer noch in dem Teil, der Wool heißt) dann ziemlich plattgewalzt wurde.

Die Fortsetzungen der Fortsetzung (namens Shift und Dust) werde ich mir daher erneut nicht geben. So immens kann der Payoff der schon weitgehend aufgeklärten Mystery gar nicht sein. Lieber lese ich wieder mehr Kurzgeschichten.

John Scalzi – The Ghost Brigades

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Die Fortsetzung von Old Man’s War und als solche wieder milde unterhaltsam. Gut: Weniger albern, andere Protagonisten, die Welt wird einen Spalt breit geöffnet und die Rolle der Menschheit hinterfragt.

Blöd: Schon wieder Bootcamp und militärische Ausbildung, nur diesmal noch härter, denn es geht um die überlegenen Special Forces (Augenroll-GIF). Außerdem wird die Idee, Persönlichkeiten von Mensch zu digitaler Storage zu Mensch übertragen zu können, arg übertrapaziert – und mündet in universe in Entscheidungen, die, wenn man drüber nachdenkt, als sehr riskant gelten müssten.

Aber ist ja auch egal, da ohnehin alles Quatsch: Unter’m Strich hat das Buch Spaß gemacht. Dass ich sofort die Fortsetzung lese, glaube ich aber nicht.

John Scalzi – Old Man’s War

Nachdem zu lesen war, dass Old Man‘s War eine Serie sei, die zudem lesenswert ist, notierte ich mir die erneute Lektüre, des ersten Bandes, den ich 2015 als eBook gekauft und sehr wahrscheinlich dann auch gelesen habe.

Erst als ich mir das Buch aus dem Kindle-Archiv fischte, realisierte ich, dass ich es im Kopf mit The Forever War von Joe Haldeman verwechselte, einer anderen Military SF-Geschichte. Das lese ich später einfach auch nochmal.

Old Man’s War bedient das Boot Camp-Setting, bekannt aus Filmen wie Full Metal Jacket, einschließlich „training The Spartan Way, plenty of Physical Fitness Punishment, the obligatory Drill Sergeant Nasty“. Das Gimmick steckt im Titel: Die Rekruten sind alte Menschen um die 75, die in junge Körper versetzt werden, um für die Colonial Defense Forces der Menschheit gegen etliche martialische Alienvölker zu kämpfen.

Warum das so ist, wird eher unbefriedigend erklärt. Gesorgt ist immerhin für Comic Relief während der Ausbildung und unser Protagonist erhält jede Menge Vergangenheit, die dann im letzten Drittel des Buches relevant wird.

“No one likes an overachiever, Captain”

Mein Problem mit Military-Stoffen ist stets dies: Wer im hochtechnisierten Krieg überlebt, hat meiner Überzeugung nach vor allem Glück. Ein Glückspilz ist aber ein langweiliger Protagonist. Also muss unser Held eben doch ständig alles besonders gut und besser als alle anderen können – ein richtiger Streber also.

Aber: Flott und spaßig geschrieben ist das Buch allemal und als nächstes gebe ich mir die Fortsetzung.

Andrew Hunter Murray – The Last Day

Neulich schaute ich mal wieder in die SF-Rezensionen-Rubrik beim Standard – an deren neues Layout ich mich nie gewöhnen werde – und fand Gefallen an der Prämisse von The Last Day: Die Erde hat aufgehört sich zu drehen, eine Seite ist nun ewig der Sonne zugewandt, auf der anderen herrscht ewige Nacht.

Großbritannien liegt in der leidlich bewohnbaren Zone dazwischen und hat sich zu einer Diktatur gewandelt, die den Mangel verwaltet und mit höchster Brutalität Geflüchtete abwehrt (darin besteht verblüffende Ähnlichkeit zu The Wall).

Das sind die äußersten Rahmenbedingungen eines erstaunlich normalen Thrillers mit durch die Gegend fahren, Häschern entkommen und Leute suchen. Am Ende steht die Aufdeckung eines großen, die Handlung vorantreibenden Geheimnisses. Keinesfalls ein schlechtes Buch, aber nun auch keine vor überwältigenden Ideen strotzende Science Fiction.

Frank Herbert – Dune

Die Denis Villeneuve-Verfilmung des Wüstenplaneten wurde gerade erst bis weit in das nächste Jahr verschoben, während ich mich einmal mehr durch die Buchvorlage schmökerte – dieses Mal mit Fokus auf die erste Hälfte des Bandes, die der Film abbilden soll.

Ich bin immer noch latent skeptisch, wie aus dem alten White Savior/Der mit dem Wolf tanzt-Stoff eine zeitgemäße Filmfassung entstanden sein kann, mein Vertrauen in Villeneuve (und den hervorragenden Cast) ist aber groß. Besonders schwer wird mir das Warten auf diesen Film dennoch nicht fallen.

Blake Crouch – Dark Matter

Nachdem mich Recursion sehr begeistert, war ich auf die andere, oft gelobte Geschichte von Blake Crouch gespannt. Dark Matter ist ebenfalls ein packender Science Fiction-Thriller, statt um Zeitreisen geht es um Paralleluniversen. Sehr spannend und kurzweilig. Recursion hat mir nur ein wenig besser gefallen.